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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

19MAI2022
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Es gibt Lieder, die auch nach mehr als 50 Jahren unvergessen sind. Dazu gehört auch „Mein Freund, der Baum, ist tot. Er starb im frühen Morgenrot.“

Diese Schlagerzeilen werden wohl für immer mit Alexandra verbunden sein. Heute wäre die Sängerin 80 Jahre alt geworden. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an ihre tiefe, unverwechselbare Stimme und an ihre meist melancholischen Lieder. Mit erst 27 Jahren starb Alexandra bei einem Autounfall.

Das Chanson „Mein Freund, der Baum“ hat sie selbst komponiert und getextet. Darin besingt sie ihre besondere Beziehung zu einem Baum, den sie als Kind immer wieder aufgesucht hat. Ihm konnte sie ihre Sorgen und Nöte anvertrauen. In seinem Schatten fand sie Ruhe und Kraft. Und dann der Schock: Das Mädchen findet ihn gefällt am Wegesrand. „Mein Freund, der Baum, ist tot.“

Die Trauer um ihn berührt noch heute. Viele haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Da ist der Baum, in dessen Ästen man kletterte, unter dessen Blätterdach man sich verabredete, in dessen Stamm man ein Herz für die erste Liebe einritzte.

Bäume sind tief in unserem Bewusstsein verwurzelt. Sie sind Sinnbilder für Wachstum, Stärke und Erneuerung. Kein Wunder, dass sie auch in den Religionen eine herausragende Rolle spielen. Griechen, Römer und Germanen kannten heilige Bäume. Buddha fand seine Erleuchtung unter einer Pappel-Feige. Im Paradiesgarten stehen die Bäume des Lebens und der Erkenntnis von Gut und Böse.

Heute ist es das massenhafte Baumsterben, das Alexandras Lied eine neue Bedeutung gibt. Bäume sind wichtig für unser aller Überleben. Schon deshalb dürfen wir nicht gedankenlos mit ihnen umgehen.

Der Dichter Eugen Roth hat das einmal so formuliert:
„Zu fällen einen schönen Baum, braucht´s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk´ es, ein Jahrhundert.“

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