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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11MAI2022
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Falls wir in den nächsten Tagen einigen Wetterkapriolen ausgesetzt sind, ist das „natürlich“. Tagsüber könnte es schon sommerlich-warm, nächtens jedoch empfindlich kühl, vielleicht sogar frostig werden. Ist dies der Fall, dann wissen wir: Uns „besuchen“ die „Eisheiligen“. Die bekanntesten von ihnen heißen Pankratius, Servatius und Bonifatius. Die Menschen früherer Zeiten lebten intensiver von und mit der Natur, der Schöpfung. Ihnen fiel auf, dass es Mitte Mai immer wieder Temperaturstürze gab. Da diese Menschen nicht nur das „Wetter“ direkter erlebten als wir, sondern auch den kirchlichen Heiligenkalender kannten, kennzeichnete man diese Tage schlicht mit eben jenen Namen. So lautet die Bauernregel an Pankratius: „Wenn’s an Pankratius gefriert, wird im Garten viel ruiniert. Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man sehn.“ Je nachdem also, wie das Wetter ist, freuen sich Gärtner, Winzer, Landwirte auf eine gute Ernte oder sie beobachten gespannt die weitere Entwicklung von Wachsen und Gedeihen.

Weil sich das Wetter an eben diesen Tagen sehr unterschiedlich zeigen kann, wurden diese kirchlichen Heiligen zu den „Eisheiligen“. Im Blick auf ihr christliches Leben waren sie weder „frostig“ noch „eisig“. Im Gegenteil: Sie lebten ihren Glauben in großer Überzeugung – und das oft schon in sehr jungen Jahren. Pankratius – sein Name bedeutet „der ganz Starke“ oder „der alles Beherrschende“ – wurde um 290 nChr in Kleinasien geboren und kam als Waisenkind zu seinem Onkel nach Rom. Dort jedoch war ihm kein langes Leben beschieden. Die Christen standen zu jener Zeit unter der strengen Beobachtung durch die weltlich-politischen Behörden und durchlitten damals einige Verfolgungen. Auch Pankratius geriet in eine solche. Er wurde um 304 nChr, mit vierzehn Jahren aufgrund seines Glaubens inhaftiert und kurze Zeit danach enthauptet.

Dieser „Eisheilige“ steht also nicht nur für besondere Wetterphänomene im Frühjahr. Vielmehr beeindruckt er mich damit, dass er schon in so jungen Jahren mit seinem christlichen Glauben ernst gemacht hat. Diesen „ganz starken“ Jugendlichen prägte sein Glaube so sehr, dass er ihn, wo immer es möglich war, bezeugte und sich auch von politischen Autoritäten nicht einschüchtern ließ. Von wegen „frostiger“ Eisheiliger – für mich kann seine Entschiedenheit zu einem echten Vorbild für mein eigenes christliches Bekenntnis in dieser Zeit werden.

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