Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

28APR2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Diese Tage kommen mir gerade unglaublich voll vor. Manchmal habe ich abends den Eindruck, dass es neben Arbeiten, Essen und Schlafen nichts Anderes mehr gibt. Wie im Hamsterrad. Als ich im Fitnessstudio war, habe ich bemerkt, dass es auch anders geht. Zunächst habe ich noch gedacht, dass es jetzt nur noch ein paar Geräte sind, an denen ich trainieren muss, und dann beginnt meine Freizeit, mein Feierabend. Dabei stimmt das so nicht. Mein Sport ist ja meine Freizeit. Irgendwas ist da in meinem Denken falsch verbucht gewesen: Da ist etwas zum Pflichtteil geworden, was ich ja freiwillig und in meiner Freizeit mache. Als ob das Arbeit wäre und mein freier Lebensteil erst danach beginnt. Erst nachdem ich meinen Sport wieder als Freizeitaktivität verbucht habe, die ich unternehme, weil ich es will und weil es mir guttut, hat es sich sofort anders angefühlt. Ich war von einem Moment auf den anderen unbeschwerter und habe mich sogar fitter gefühlt. 

Es gibt aber noch ein weiteres: In vielen freien Momenten beschäftige ich mich nur mit dem, was mir Sorgen macht, zum Beispiel die Nachrichten über den Krieg. Aber wenn ich mich nur noch damit beschäftige, ist es ja logisch, dass es mich belastet und mir alles zu viel wird.

Dieses Völlegefühl kann ich aber genauso stoppen, wenn es zu viel wird. Ich werde ja diese Probleme nicht alleine lösen können. Ich denke, dass ich das letzten Endes Gott überlassen muss.

Das muss nicht immer in der Form eines Gebets sein. Ich bin überzeugt, dass Gott mich auch begleitet, wenn ich gut für mich sorge und so mitwirke, dass sein Segen bei mir ankommt. Der erste Schritt dabei ist, dass ich meine sorgenvollen Gedanken stoppe und dann im zweiten Schritt etwas in den Blick nehme, was mir guttut und Kraft gibt. Für mich ist es optimal, wenn ich dafür etwas finde, was normal und alltäglich ist und das dann aber genieße wie etwas Besonderes. Normale alltägliche Momente: Wenn ich z.B. noch mit einem guten Freund telefoniere und mich mit ihm über unsere Musik austausche oder ein Abendessen im Freundeskreis. Auch hier ist das Entscheidende, wie ich es im Kopf verbuche. Als einen Genussmoment und einen Moment, in dem ich mir bewusst bin, dass Gott mich beschenkt und segnet.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35282