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SWR2 Wort zum Tag

28APR2022
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Erst die lange Zeit der Corona-Pandemie und jetzt noch ein Krieg in Europa, der viele bedrückt. Mich kostet das Kraft. Manche wollen die Nachrichten lieber gar nicht mehr anschauen. Das geht für mich nicht. Ich will informiert sein, Anteil nehmen, aber ich will auch irgendwie mit dem fertig werden, was ich da mitbekomme.

Mit meinen Schülern habe ich deshalb im Psychologieunterricht über die Richtung der „positiven Psychologie“ gesprochen. In den 80er Jahren haben Psychologen um Martin Seligman eine neue Ausrichtung angestrebt. Sie meinten, nachdem die Psychologie gut hundert Jahre auf die Ursachen von Krankheiten und ihre Behandlung geschaut hat, könnte man sich jetzt mal auf das ausrichten, was gesund und glücklich macht.

Aus dieser Richtung kommen kleine Gedankenübungen für den Alltag, die wir jetzt in der Schule oft am Anfang der Stunde machen. Zum Beispiel, dass wir eine Runde machen, in der jede und jeder sagt, was heute ein Grund zum Freuen ist. Das geht meistens nicht ad hoc. Jeder braucht da ein paar Minuten zum Nachdenken. Ich auch. Aber allein das zeigt mir schon, dass ich offensichtlich im Alltag nicht automatisch an das Gute denken würde.

Wenn wir dann diese Runde machen, finde ich es bemerkenswert, wie sich mit jeder kleinen Freude, die ausgesprochen wird, die Stimmung im Raum verändert: Das schöne Wetter, die Natur, die sich gerade so schön entwickelt, das Treffen mit Freunden, der Ausblick auf einen ruhigen Moment zum Ausruhen am Abend.

Noch stärker wirkt das, wenn wir diese Runde nicht zu der Frage machen, was mich heute freut, sondern daraufhin, was ich bei anderen Personen Positives anerkennen möchte.  Da höre ich dann, wie wichtig es ist, dass die Familie hinter einem steht, dass einem die Mutter oder die große Schwester das Frühstück macht, dass die Klassenkameraden die Hausaufgaben mitbringen, wenn man krank ist und so weiter.

Dieser Blickwechsel lohnt sich immer und tut gut. Besonders dann, wenn die Zeiten schwierig erscheinen und einem der Mut ausgehen könnte. Aber wenn ich diesen positiven Blick übe, sehe ich, was an Lebenskraft in mir und den anderen Menschen steckt.

Zwei Aspekte sind mir dabei besonders aufgefallen:
Für viele ist die Natur eine Kraftquelle, die guttut. Das ist das eine. Das andere ist, wie gut es für uns Menschen ist, wenn andere Menschen für uns da sind und uns unterstützen. Und sei es auch nur durch eine kleine Geste oder minimale Hilfe. Als Christ bin ich Gott dankbar, dass er uns in seiner Schöpfung solche Heilmittel geschenkt hat. Wir müssen sie nur aufgreifen.

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