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SWR2 Lied zum Sonntag

24APR2022
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Gloria in excelsis deo

„Ehre sei Gott in der Höhe“. Seit Ostern gehört dieser Gesang wieder zum katholischen Gottesdienst dazu, nachdem traditionell in der Fastenzeit kein Gloria gesungen wird. Wenn es in der Osternacht zum ersten Mal wieder angestimmt wird, läuten dazu alle Glocken.

Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus

Der Gloria-Gesang stammt aus dem 5. Jahrhundert. Die erste Zeile ist aber noch älter. Sie ist ein Zitat der Engelschöre, die bei der Geburt Jesu in Bethlehem singen. Das Gloria holt damit nicht nur Ostern, sondern immer auch Weihnachten in den Gottesdienst herein. Georg Friedrich Händel hat das in seinem Oratorium „Der Messias“ besonders anschaulich komponiert:

„Glory to god in the highest and peace on earth“.

Händel macht damit deutlich, dass Himmel und Erde am Anfang von Jesu Wirken noch getrennt sind: Im Himmel herrscht schon der fröhliche Jubel der Engel, auf der Erde ist die Stimmung noch gedämpft. Die Menschen sind noch nicht erlöst.

„Glory to god in the highest and peace on earth“.

Das ist mir momentan deutlicher denn je, wenn ich an die Pandemie denke und an den Krieg in der Ukraine, der ja nur einer von vielen Kriegen auf der Erde ist. Aber ich bin überzeugt: Die Mehrheit der Menschen sehnt sich nach Frieden und nach einem Zustand des Wohlbefindens für alle, die guten Willens sind.

Das Gloria hat die Erlösung im Blick, die Jesus bewirkt. Er redet zu den Menschen von einem Gott, der er es gut mit den Menschen meint und das Glück für alle Menschen will, selbst wenn sie gesündigt haben. Jesus gibt diese Überzeugung auch dann nicht auf, als die Menschen ihn ablehnen und ermorden. Nicht einmal der Tod kann ihn darin aufhalten.

In der Dramaturgie des Gottesdienstes wird dieser Spannungsbogen auch entwickelt. Das Gloria steht am Anfang. Die Gemeinde jubelt und bittet aber auch darum, dass Jesus als ihr Herr die Welt zum Guten verändert, dass Friede wird und dass das Gute triumphiert durch ihn, den Höchsten, den Heiligen.

Quoniam tu solus sanctus, tu solus Dominus, tu solus sanctus, tu solus altissimus, Jesu Christe.

Erst wenn die Gemeinde dann an das Abendmahl und an die Auferstehung Jesu erinnert, singt sie im Sanctus davon, dass sich diese Veränderung zum Guten ereignet hat. Jetzt heißt es „Himmel und Erde sind voll von Deiner Herrlichkeit“.

Wenn ich das „Gloria“ höre, will ich gerne einstimmen: Ich mache mit, wenn es darum geht, Gott zu feiern und zu bejubeln. Und ich bitte ihn immer wieder neu darum, dass er diese Welt zum Guten führt und Frieden bringt. Ich sage damit aber auch deutlich: Ich will mitarbeiten an einer Welt, in der Friede und Versöhnung bestimmen. Denn wenn Menschen froh, erlöst und in Eintracht leben, dann ist das die Verherrlichung Gottes als eines liebenden Vaters und einer fürsorglichen Mutter.

Gloria (Schluss) „cum sancto spiritu in gloria dei patris. Amen“

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Musikangaben

„Glory to god in the highest and peace on earth“.
Aufnahme: Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Ton Koopman (Live-Mitschnitt von 2005)

 

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