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SWR3 Gedanken

22APR2022
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Ist das jetzt ein Instrument oder ein Recycling-Objekt oder Kunst? Oder einfach ein Symbol? Nun ja, das Ding macht Töne, ist aus Altmetall, wurde mit viel Sorgfalt gegossen und ist inzwischen für viele Menschen ein sichtbares Friedenszeichen: die Peacebell, also Friedensglocke.

Vor 5 Jahren konnte ihr Macher die erste Friedensglocke läuten. Um das Material für die Glocke zu beschaffen, ist Michael Patrick Kelly extra nach Frankreich gefahren. Munitionsreste aus der Schlacht bei Verdun im ersten Weltkrieg hat er gesammelt und dann zu einem Glockengießer in Deutschland gebracht. Daraus ist die erste Glocke mit der Friedenstaube und der Inschrift „you shall not kill“ – „du sollst nicht töten“ gegossen worden. Ihr Klöppel ist ein altes Gewehr.

Rund 170 000 Kirchenglocken sind im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden, um daraus Waffen und Munition zu machen. Um Menschen zu töten.

Kelly hat dies symbolisch umgekehrt: aus Granatsplittern und Munitionshülsen werden Klangkörper, die Menschen zusammenrufen, um gemeinsam das Leben zu feiern.

Und weil Frieden sehr viel mehr ist als die Abwesenheit von Krieg, schickt Kelly seine Peacebells auf Reisen. In Kirchen, Museen und an andere öffentliche Orte. Damit Menschen darüber reden, wie Frieden entstehen kann.

Kellys Peacebells sind also Instrumente, die lautstark vom Leben singen. Sie sind aber auch Recycling-Objekte, die formschön vom Willen zum Frieden sprechen. Sie sind auch Kunst, es braucht handwerkliches und kreatives Geschick, um sie herzustellen.

Vor allem aber sind sie ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass der Krieg und der Tod nie, niemals das letzte Wort haben werden. Dafür kann man gar nicht laut genug läuten!

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