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SWR3 Gedanken

21APR2022
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Lesen und Schreiben kann ich auf ordentlichem Niveau, und Rechnen geht auch. Aber ich habe manchmal Probleme mit Kalenderdaten. Ein Bekannter hat für meine Schwäche neulich den Begriff Dyskalendrie erfunden.

Meine Dyskalendrie führt dazu, dass ich Termine falsch aufschreibe und Monate durcheinanderbringe. Das führt manchmal zu etwas Chaos beim Organisieren, aber komischerweise habe ich trotzdem noch nie einen wichtigen Termin verpasst.

Mein Kopf sortiert wichtige Ereignisse nach einem anderen System, sozusagen kalenderalternativ: Ich speichere Termine in einer Art innerem Geisteskalender ab. Der funktioniert über mein Gefühl: Ich spüre dann vielleicht morgens beim Aufstehen an einem leichten Druck in der Magengrube, dass heute das wichtige Treffen mit dem Ausschuss ist. Und ich präge mir noch mal die wichtigsten Punkte ein.

Oder ein leichtes Ziehen im Arm sagt mir, es wird Zeit, das Konzept für das soundso-Modul zu planen, weil das Treffen mit dem Kollegen bald sein wird. Dann notiere ich mir immer wieder Ideen und komme schrittweise zu einem Ergebnis.

Oder ich habe schon beim Aufwachen so ein Herzensglitzern im mir, das mich daran erinnert: heute kommt lieber Besuch. Dann hüpfe ich gutgelaunt durch den Tag und bereite ein Essen vor.

Natürlich lasse ich mich auch von meinem Kalender an Termine erinnern, aber meistens kann ich mich auf meinen Geistkalender genauso gut verlassen. Ich stelle mir vor, dass so Gottes Geist in mir wirkt. Mich verbindet mit dem Leben anderer Menschen und mich Gottes Dasein in unser aller Leben fühlen lässt.

Heute ist übrigens so ein Tag, an dem ich mit dem Glitzergefühl aufgewacht bin. Ich möchte es gerne mit euch teilen. Mit allen, die sich heute eher einsam fühlen, sich Sorgen machen, grau gestimmt sind – wir sind miteinander verbunden. Und mit Gott. Ganz egal, was der Kalender sagt.

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