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SWR2 Lied zum Sonntag

10APR2022
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Musik 1: Klavier Intro

Am 10. April 1944, heute vor 78 Jahren, ist diese Musik entstanden, mitsamt dem Text aus drei Strophen. Ein Amateur-Komponist – Max Josef Metzger heißt er – hat dieses Lied unter schrecklichen Umständen verfasst. Er ist damals in einem Gefängnis bei Berlin inhaftiert. Weil ein Nazi-Gericht ihn wegen Hochverrats zum Tod verurteilt hat, sucht er Trost bei Jesus Christus. Für ihn ist dieser nämlich der eigentliche Herr über Leben und Tod. Vieles ist Max Josef Metzger schon genommen worden, vor allem seine Freiheit, jedenfalls die äußere. Seinen Osterglauben aber will er sich nicht rauben lassen. Deshalb betet und singt er: „Christ, der HERR, ist auferstanden, leibverklärt in Herrlichkeit“.

Musik 2:

  1. Christ der HERR ist auferstanden!
    Leibverklärt in Herrlichkeit.
    Kündet laut in allen Landen
    Freiheit! Friede! Freudenzeit!
    Singt Triumph! Denn überwunden
    Ist der Feind! Der HERR gebeut!
    Heiland aller Sünden Wunden,
    bracht‘ Er die Erlösung heut‘.

Eine Woche nachdem er dieses freudige und lebensbejahende Lied geschaffen hat, wird der 57jährige Max Josef Metzger vom NS-Regime hingerichtet. Wer war dieser Widerstandskämpfer aus religiöser Überzeugung, der auch gedichtet und komponiert hat? Metzger war eine im musikalischen Sinn geradezu „polyphone“ Existenz: Priester und Pazifist; ein Visionär, der sich mit der Spaltung der christlichen Konfessionen ebenso wenig abfinden konnte wie mit dem Krieg zwischen Völkern. Er ist fest davon überzeugt, dass politische Machthaber niemals schrankenlos herrschen dürfen, als ob sie Gott wären. Auch sie müssen sich vor einer höheren Macht verantworten. Max Joseph Metzgers König ist Christus, der auf einem Esel in die Stadt Jerusalem reitet, der dem Leiden nicht aus dem Weg geht, und der von Gott an Ostern gerettet wird. Von ihm hat er gelernt, aufrichtig zu leben.  

Musik 3:

  1. Christ der HERR ist auferstanden,
    jubelt, die ihr todgeweiht!
    Der des Teufels Kampf bestanden,
    uns aus Höllenfron befreit.
    Nimmer in dem Leib, dem neuen,
    Leben mehr im Grab verwest.
    Heil’gen Lebens froh, ihr Freien,
    hebt das Haupt: ihr seid erlöst!

Max Josef Metzger ging selbstbewusst, mit „erhobenem Haupt“ in den gewaltsamen Tod. Sein Lied, das er in der Osterzeit des finsteren Jahres 1944 geschrieben hat, es führt uns in das helle Zentrum des christlichen Glaubens: „Christ, der Herr ist auferstanden“. Die „Heilige Woche“, die heute beginnt, ist der Weg dorthin: von Palmsonntag bis Ostern. Max Josef Metzger hat die Glaubwürdigkeit, die der Kirche heute oft fehlt, ganz kompromisslos gelebt. Ein Grund mehr für seine Seligsprechung, hoffentlich bald! Weil er mit Jesus gelebt hat, konnte er sogar mit österlichen Gedanken sterben. Sein geradezu hymnisches Lied mag uns einstimmen in diese besondere Woche, deren „Ouvertüre“ heute der Palmsonntag ist.

Musik 4:

  1. Christ der HERR ist auferstanden!
    Erstling Seiner Heil’gen Schar.
    Heil und Leben alle fanden
    An des Herren Kreuzaltar.
    Die mit Ihm ihr war’t gestorben,
    Auferstanden seid ihr heut‘.
    Was im Tod Er euch erworben,
    Euer ist’s: die Herrlichkeit!

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Christ, der Herr, ist auferstanden
Komponist: T + M: Max Josef Metzger, komponiert am 10.04.1944
Eigenproduktion SWR, Studio Freiburg, mit Eduard Wagner (Tenor) und Jörg Josef Schwab (Klavier) am 4. April 2022

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35185