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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

16MRZ2022
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Die Seiten in meinem Terminkalender füllen sich fast von allein. Und dann stehen immer noch Termine oder Aufgaben Schlange, die eigentlich auch noch untergebracht werden wollen. Möglichst bald.

In der Bibel habe ich einen Satz entdeckt, der mir hilft, mit der Fülle der Aufgaben umzugehen. „Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“ Im Buch Prediger steht das, mittendrin in Gedanken über Arbeit und Lebensfreude.

Als ich das das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht: Na, da baut aber einer ganz schön Druck auf. „Auf, los, da geht noch was, da geht noch mehr! Streng dich an!“
Aber inzwischen mag ich den Satz. Er ist hilfreich, wenn man ihn genau anschaut.

Ich soll tun, was mir vor die Hände kommt, heißt es zuerst. Aber das ist vielleicht nicht unbedingt das, was andere gerade von mir erwarten. Ob es jetzt für mich dran ist oder nicht, das muss ich schon selbst entscheiden. Es sind ja meine Hände, meine Kreativität, meine Zeit und meine Energie, um die es da geht.

Anregend finde ich außerdem, dass da von meiner Kraft die Rede ist. Also nicht: alles, was dir vor die Hände kommt, das mach. Und auch nicht alles, was dir gerade in den Sinn kommt. Nein, da ist so etwas wie ein Filter eingebaut. Meine Kraft. Die ist nicht unerschöpflich.

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“

Manches schaffe ich nicht. Und manches ist für mich gerade auch nicht dran. Der Satz aus der Bibel gesteht mir das zu. Und Martin Luther hat über diesen Satz mal trocken gesagt: „Ich tu, was ich kann. Und was ich nicht kann, davon muss es heißen: ‚Wem ein Stein zu schwer ist, der lass ihn liegen.‘“ So einfach. Wenn ich mich übernehme, ist niemandem gedient. Manches kann ich getrost liegen lassen. Vielleicht versuche ich mich in einem Jahr nochmal an diesem Stein. Aber vielleicht ist er auch für jemand anderes gedacht. Oder es ist so ein dicker Brocken, dass er in 50 Jahren immer noch da liegen wird. Macht nichts. Ich muss mich ja nur um das kümmern, was für mich gerade dran ist.

Heißt für mich: anschauen, was mir vor die Hände kommt, abwägen, was für mich gerade geht und was nicht. Und dann tun, was ich kann, und den Rest getrost liegen lassen.

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