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SWR2 Lied zum Sonntag

13MRZ2022
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Agnus Dei qui tollis peccata mundi. Miserere nobis.
Agnus Dei qui tollis peccata mundi. Miserere nobis.
Agnus Dei qui tollis peccata mundi. Dona nobis pacem

Christus wird im heutigen Lied zum Sonntag als „Lamm Gottes" angerufen. Er soll mit unserer Not mitfühlen und Frieden schenken.

Lämmer wurden in biblischen Zeiten als Opfertier im Tempel zum Dank geschlachtet. Die Menschen haben das damals als ein Zeichen verstanden, dass Gott sie immer wieder zum Guten führt. Später im Mittelalter hat sich das umgekehrt: Man meinte damals, Gott wird durch so ein Opfer milde gestimmt, wenn man ihn durch seine Fehler beleidigt hat.

Das stellt aber auf den Kopf, was Jesus geglaubt und gelehrt hat: Für ihn war klar, dass der Mensch den Schaden nicht reparieren kann, den er verursacht. Er war überzeugt, dass allein Gott alles zum Guten verändern kann, weil er die Menschen liebt wie ein Vater seine Kinder. Für diese Überzeugung stirbt Jesus sogar. Er wird zum Opfer der Priesterclique, die davon lebt, dass sie den Menschen ein reines Gewissen verkauft. Spätestens seit Jesus für diese Überzeugung gestorben ist, ist Schluss mit diesem Opferdenken.

Agnus Dei

Im Alltag begegnen mir heute andere Opfer: Wenn ein Schüler gemobbt wird, nennen ihn die Mitschüler oft „Du Opfer“. Mit diesem Ausdruck können sie ihn einmal mehr herabwürdigen. „Opfer“ sind heute oft Menschen, die unter dem leiden, was andere Menschen ihnen antun. Wenn sie andere mobben, aber auch, wenn sie missbrauchen, vergewaltigen und töten. Gerade auch im Krieg. Beethoven hat das in seiner „Missa solemnis“ deutlich hörbar gemacht:

Agnus Dei
Beethoven: Missa solemnis. Ennoch zu Guttenberg: Chor und Orchester der KlangVerwaltung

Wo Menschen andere Menschen kränken, verletzen, umbringen, genau da braucht es einen Ausweg, wie Jesus ihn lehrt. Die Wende zum Guten, zum Frieden, erreiche ich in keinem der Fälle, wenn ich Vergeltung übe, weil das von der anderen Seite wieder eine Vergeltung auslöst. Friede entsteht, wenn ich auf den anderen zugehe und bereit bin, dass ich mich für meine Fehler entschuldige und dem anderen seine Fehler verzeihe.

Das „Agnus Dei“ passt in unsere Zeit. Wenn ich es höre oder mitsinge, dann bitte ich Gott: Hilf uns, wenn wir die Kette von Gewalt und Gegengewalt durchbrechen wollen und gib uns einen Frieden, der für alle Menschen guten Willens zum Guten führt:

Agnus Dei
Beethoven: Missa solemnis. Agnus Dei

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