Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

18FEB2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es gibt Momente, da wünsche ich mir Superkräfte: Vor einem besonders wichtigen Gespräch, wenn die Kinder in der Grundschule mir mal wieder auf der Nase rumtanzen oder wenn ich bei all dem, was auf der To-Do-Liste steht, einfach nicht mehr durchblicke. Wie gut wäre es da, wenn plötzlich neue Energie, extra Power, meinen Körper durchfluten würde – wie im Comic.  

„Das geht!“, sagt die Psychologie-Professorin Amy Cuddy. Mit der Power-Pose. Dazu: Stell dich hin, Füße fest auf dem Boden, Hände in die Hüften stemmen und den Blick leicht heben. Also: Im Grunde genauso posen wie Wonderwoman oder Superman. In dieser Position dann ein paar tiefe Atemzüge nehmen und schon setzt die Superkraft ein: Amy Cuddy konnte in einer Studie nachweisen: Das Stresshormon Cortisol wird so weniger, dafür steigt der Testosteronwert an, also das Hormon, das für Selbstsicherheit zuständig ist.

Die Menschen in der Bibel konnten das natürlich noch nicht so genau erklären. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie trotzdem von der Powerpose wussten. In einem meiner Lieblingsgebete aus der Bibel heißt es: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“
Ich stelle mir vor: Der Mensch, der diese Worte aufgeschrieben hat, war in solcher Not, dass er sich auch Superkräfte gewünscht hat. Da hat er sich aufgerichtet, den Rücken durchgestreckt und den Blick gehoben – zu den Bergen oder vielleicht sogar bis in den Himmel. Und dann hat er plötzlich die Superkraft gespürt und konnte wieder darauf vertrauen: Ich schaffe das.

Aber: Anders als Amy Cuddy war dieser Mensch aus der Bibel sicher: Diese Stärke, die kommt nicht nur aus mir heraus, die wird mir von außen verliehen, von Gott. Deshalb betet er auch weiter: „Meine Hilfe kommt vom Herrn!“

Ich glaube, sie haben beide Recht: Die Psychologin und der Psalmbeter. Sicher haben unsere Hormone ganz viel damit zu tun, wie gestresst oder auch selbstbewusst wir uns fühlen. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass ein Gebet, egal in welcher Körperhaltung ich es spreche, mir auf wundersame Weise Mut und Kraft verleiht.

Deshalb mache ich, wenn ich Superkräfte brauche, einfach beides: Posen wie Wonderwomen und die dazu passenden Worte sprechen: „Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn!“ Und dann die Power-Pose und Gott mit ganzer Kraft wirken lassen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34832