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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

12FEB2022
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Nach der Arbeit musste ich mit meinem Auto noch in die Werkstatt. Vorne rechts war ein kleines  Glasfenster zerbrochen. Ich hatte die Werkstatt meines Vertrauens angerufen; die konnten, weil sie meinen Fahrzeugschein kopiert haben, das Glas schon tags zuvor bestellen. Als ich eintraf, war alles vorbereitet. Ich ließ den Schlüssel stecken und durfte mich in eine Ecke setzen und mir einen Kaffee machen. Nach ungefähr 20 Minuten waren die Mechaniker fertig. Als ich bezahlen wollte, sagte der Chef: „Ups, der TÜV ist fällig. Dann machen wir am besten gleich einen Termin aus.“

Das passte mir überhaupt nicht. Ich vertraue dieser Werkstatt, aber 25 Minuten Fahrtzeit eine Strecke plus die Wartezeit, das muss auch in meinen Wochenplan passen.

Als ich so zögerlich nach einem freien Nachmittag im Kalender suchte, sagte er: „Wenn Sie jetzt Zeit haben, schieben wir Sie kurz dazwischen. Der TÜV ist sowieso da.“

Na prima, zwar hatte ich eigentlich direkt wieder fahren wollen,  aber das spart mir ja locker zwei Stunden an einem anderen Tag und gemacht werden muss es ja.

Also zapfte ich mir noch einen Kaffee und wartete und der TÜV wurde gemacht und die Rechnung hatten sie auch direkt fertig und ich wollte mit Karte bezahlen, die funktionierte aber an dem Tag nicht. „Egal“, sagte der Chef, „überweisen Sie später, jetzt erst mal gute Fahrt.“ Prima.

Warum erzähle ich das eigentlich? Ist doch nichts besonderes.

Oh doch. Mir fällt oft gar nicht auf, wenn ganz viele Sachen klappen. Nur das, was nicht klappt, das macht mich wütend und ich erzähle ausführlich zuhause und meinen Freundinnen davon. Aber an den meisten Tagen könnte ich abends „Danke, lieber Gott“ sagen, weil so wenig schief ging und so viel Gutes passiert ist.

Deshalb jetzt auch die Geschichte von einem ganz normalen Tag voller Wunder: in der Dusche gab es genug heißes Wasser, das Auto war angesprungen, auf der Arbeit gab es nichts, was ich nicht bewältigen konnte, das Glas wurde repariert, der Kaffee in der Werkstatt war gut und umsonst, der TÜV hatte keine Kritik an meinem schönen grünen Auto, dem Blitz, und abends hatte mein Partner gekocht und im Fernsehen kam ein spannender Film.  

Was will ich eigentlich mehr?

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