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SWR3 Gedanken

26JAN2022
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„Sei traurig!“ Diesen überraschenden Tipp hat der Schriftsteller Erich Kästner parat. Er sagt: „Sei traurig, wenn Du traurig bist!“. Wie oft kriegt man, meist als Kind schon, das Gegenteil zu hören: Sei doch nicht traurig! Ist doch nicht so schlimm… Oder später auch mal: Deine Trauer sollte jetzt aber mal vorbei sein, findest du nicht? Hast doch jetzt genug getrauert…  Erich Kästner aber meint: „Sei traurig, wenn du traurig bist, und steh nicht stets vor deiner Seele Posten! Den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist, wird’s schon nicht kosten.“ – Ja, es gibt manchmal eine Trauer, die überhandnimmt. Die zu viel wird. Die einen das Leben kosten kann, wenn sie so schwer wird, dass nichts mehr geht. Aber ansonsten finde ich hat Kästner unbedingt Recht mit seinem „Mut zur Trauer“:  Du darfst traurig sein. Und du darfst es auch zeigen. Lass deiner Trauer Raum. Gib ihr Zeit. Eine Zeit, die nur du bestimmst. Traurig zu sein ist keine Schande, im Gegenteil. Kopf und Herz sind eng verwachsen, nah mit einander verbunden. 

Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter oder sein Vater tröstet! Um diesen Satz an mich heranzulassen, muss ich es zuvor vielleicht auch ausgesprochen haben: Ich bin traurig …. Traurig zu sein, die Traurigkeit zulassen, raus zu lassen – das braucht es manchmal auch, um sie zu überwinden. Um mit ihr fertig zu werden. Die Traurigkeit anzuerkennen – das braucht es vielleicht, um dann auch Trost überhaupt annehmen zu können. Ich bin traurig! Und Gott spricht: Ich will dich trösten…

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