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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

06DEZ2021
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Haben Sie schon einmal eine echte Nikolaus-Überraschung bekommen? So eine, mit der man gar nicht rechnet?

Ich schon: Als Studentin. Damals habe ich in einem Wohnheim gelebt, zusammen mit ganz vielen anderen. Das ist eher eine Zweckgemeinschaft gewesen – die meisten von meinen Mitbewohnern habe ich nur flüchtig gekannt. Deswegen war ich echt überrascht, als ich am Morgen des sechsten Dezembers meine Zimmertür aufgemacht habe: Da stand auf meiner Fußmatte ein silbrig-glänzender Schoko-Nikolaus! Und nicht nur bei mir, sondern vor jeder Tür auf meinem Flur stand einer. 

Ich habe sofort meine Mitbewohnerinnen gefragt ob sie wüssten, wer das war. Die meinten aber nur: „Keine Ahnung – wir waren es nicht...“ Und auch alle, die ich später danach gefragt habe, haben bloß mit den Schultern gezuckt oder den Kopf geschüttelt.

Bis heute rätsle ich jedes Jahr, wer uns damals diese heimliche Nikolaus-Überraschung beschert hat. Er oder sie hat sich auf jeden Fall den echten Nikolaus zum Vorbild genommen. Der war vor 1700 Jahren Bischof in Myra in der heutigen Türkei. Und er hat auch meistens heimlich gewirkt und geschenkt.

Bei ihm ging es dabei allerdings nicht bloß darum, eine kleine Freude zu bereiten. Seine Geschenke haben Leben gerettet und oft vor großer Not bewahrt. Zum Beispiel drei junge Frauen. Deren Vater ist furchtbar arm gewesen. Er hatte weder genug Geld um sie zu versorgen noch um sie zu verheiraten. Deshalb drohte den Frauen die Prostitution. Denn zu dieser Zeit gab es nicht viele Möglichkeiten für unverheiratete Frauen den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Bischof Nikolaus hat von der Familie gehört und hat gehandelt: der Legende nach hat er nachts drei Goldklumpen in das Zimmer der Frauen geworfen. Heimlich, denn Dank oder Anerkennung wollte er dafür nicht.

Trotzdem haben sich die guten Taten von Nikolaus rumgesprochen. Die Menschen haben ihn dafür bewundert, seine Geschichten weitererzählt und sich an ihn erinnert, indem auch sie andere heimlich überrascht und beschenkt haben.  

Deshalb: Wenn wir heute Schokolade auf Tellern, in Stiefeln oder - wie ich damals - vor der Zimmertür finden, dann hält auch das die Erinnerung wach an Nikolaus und seine guten Taten.

Und vielleicht macht das sogar Lust, andere auch heimlich zu beschenken oder dort zu helfen, wo heute Menschen in Not sind. Dazu braucht es keine Goldklumpen, sondern bloß eine kleine Spende. So kann jeder selbst zu einem echten Nikolaus werden. 

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