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SWR2 Wort zum Tag

06DEZ2021
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Bei der ersten Pressekonferenz nach seiner Wahl 2013 sagte Papst Franziskus: „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen.“ 2015 Sprach er dann in einer Predigt davon, dass er „Hirten mit dem Geruch der Schafe“ und „dem Lächeln eines Vaters“ möchte. Er meint dabei vor allem Priester und Bischöfe, aber auch Kardinäle und den Papst selbst. Er plädiert in der von ihm geleiteten Kirche für Hirten, die „leidenschaftlich darauf aus sind“, der Herde zu dienen.

Am heutigen Tag gedenken wir dem heiligen Nikolaus von Myra, einem Bischof der Antike, der im 4. Jahrhundert lebte und auf den dies zutraf: Er wollte bei den Menschen sein und zwar so nah, dass er sogar ihren Geruch annahm. Sein Ruf als Bringer von Geschenken geht auf die bekannteste seiner Heiligenlegenden zurück: Der Bischof kam nachts am Haus einer Familie vorbei, die so arm war, dass die drei Töchter ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen mussten. Um sie aus dieser Situation zu befreien, warf Nikolaus drei Goldklumpen durch das Fenster des Hauses. Daher wird der Heilige in der Kunst heute oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass er als Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.

Dadurch hat er Menschen über viele Jahrhunderte fasziniert: Die Goldklumpen wurden nicht in einer offiziellen PR-Aktion übergeben und es ging auch nicht darum, den Ruhm und den Einfluss der Kirche zu mehren. Heimlich zu geben ist der stärkste Ausdruck davon, dass das Schenken selbstlos ist. So jedenfalls erzählt es die überlieferte Heiligenlegende.

In Deutschland haben wir im weltweiten Vergleich reiche Kirchen, was zunehmend kritisch gesehen wird. Allerdings glaube ich, dass dann, wenn Kirche mit ihrem Geld an der Seite der Armen und Verzweifelten steht, die üppige Finanzausstattung kein Makel ist sondern ein Vorteil. Dabei muss aber immer gelten: Wenn Kirche hilft, muss sie es tun wie der heilige Nikolaus. Nicht um den eigenen Ruhm zu mehren oder verbunden mit dem Hintergedanken, Menschen zu ihrem Glauben zu bekehren, sondern ganz und gar um der Menschen willen. Dann nimmt sie, wie vom Papst gewünscht wirklich den Geruch der Schafe an und wird zu einem Zeichen, dass Gott unter den Menschen wohnen will. Und das ist ja genau der Sinn von Advent und Weihnachten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34407