Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße sonn- und feiertags

28NOV2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Seit ich im Krankenhaus arbeite, bin ich notgedrungen ein „earlybird“, eine Frühaufsteherin geworden. Man gewöhnt sich daran, um 6.00 aufzustehen und ich will nicht meckern, andere müssen noch viel früher raus. Samstag ist schon besser, aber da liegen meistens private Sachen an, da steh ich dann auch auf, weil es Zeit ist. Und dann kommt Sonntag. Kein Wecker. Aus Gewohnheit werde ich wach, mache mal die Vorhänge auf, je nachdem öffne ich das Fenster weit oder mache es fest zu. Koche Kaffee. Leg mich wieder ins Bett und trinke diesen Kaffee, der besser schmeckt als der in der Woche: weil Zeit ist, ihn zu genießen.

Der Nachbar hat nicht schon um 5 Uhr sein Fahrzeug anlaufen lassen. Keine Schulkinder auf dem Weg zum frühen Bus. Um 7.00 läuten die Glocken von der Kirche.  Ich liege im Bett und freue mich und denke an die Menschen früher ohne Uhr, die vom Läuten der Glocken durch die Pflichten des Tages bis in den Feierabend geleitet wurden. Es ist ganz besonders still am Sonntag. Ich wohne ja auf dem Land, da ist es fast nie richtig laut, aber diese sonntägliche Ruhe hat etwas Andächtiges.

Die Vögel zwitschern, viele Krähen dabei. Jetzt im November singen sie  nicht mehr, um Weibchen anzulocken, sondern nur noch aus Spaß. Oder mir zur Freude?

Es gibt ja viele Leute, die Sonntage doof finden. Langweilig, nicht genug los, shoppen geht nur im Internet, zu wenig Zerstreuungsmöglichkeiten.

Aber ich bin Gott total dankbar, dass ER selber auch nach 6 Tagen Arbeit am 7. Tag geruht hat, wie es die Bibel erzählt. Natürlich glaube ich nicht, dass ER mit 6 Mal Fingerschnipsen die Welt erschaffen hat. Die Evolution war SEINE Methode. Aber diese Ordnung der Tage, die verdanken wir wahrscheinlich IHM. Napoleon hat mal versucht, eine 10-Tage-Woche einzuführen.  Er wollte mit der christlichen Zeitrechnung brechen; es gab dann zwar Monate mit 3 mal 10 Tagen, aber keinen Sonntag, sondern nur alle 10 Tage das „Fest der Vernunft“ als Ruhetag. Hat nicht lange funktioniert.

6 Tage arbeiten, ein Tag Pause. Das passt zu uns.

Ich hole mir noch einen Schluck Kaffee, aber dann drehe ich mich nochmal um und mach die Augen zu: Dankeschön, für diesen schönen freien Tag!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34372