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SWR2 Wort zum Tag

19NOV2021
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Davor. Und danach. Fast alle Menschen, die ich kenne, haben solche Zäsuren in ihrem Leben. „Das war, bevor ich den schweren Unfall hatte.“ Oder: „Das ist mir jetzt erst im Ruhestand möglich.“ Manchmal auch: „Damals hat mein Mann noch gelebt.“

Auch Gesellschaften kennen solche Einschnitte, die das Leben in ein davor uns ein danach einteilen. „Vor dem Zweiten Weltkrieg!“ Oder: „Nach dem 11. September 2001!“ Wahrscheinlich werden wir irgendwann auch einmal sagen: „Das war noch vor Corona.“ Oder dann eben: „Das gab‘s erst danach.“

Das danach beschreibt mehr als eine bloße Zäsur. Meist ist eine grundlegende Änderung damit verbunden. Eine Änderung der Einstellung. Des Verhaltens. Der grundlegenden Sicht auf das Leben.

Die Bibel beschreibt an einer Stelle auch eine grundlegende Zäsur in der Geschichte der Menschheit - mit einem davor und einem danach. Ich meine die Geschichte von der großen Flut. Gott hatte seine Lust und seine Freude an den Menschen verloren. Und setzt einen Neuanfang in Gang. Ganz unbeschwert konnte ich diese Geschichte schon als Kind nicht hören. Diesen Bericht von der großen Flut, die alle und alles mit sich in den Tod reißt. Nur die Menschen um Noah und die in die Arche geretteten Tiere haben überlebt.

Was mir diesen Bericht über die Sintflut dann doch immer wieder erträglich macht, ist: Nicht nur Noah und seine Familie fangen danach neu an. Einen neuen Anfang wagt auch Gott selbst. Es reut ihn, dass er so mit der Welt und dem Leben auf der Erde umgegangen ist. Gott sagt: „Nie mehr will ich so etwas wieder tun. Ich lege meinen Kriegsbogen aus der Hand. Lege ihn über den Himmel wie ein schützendes Dach.“ So haben sich die Menschen danach jedenfalls die wunderschöne Erfahrung des Regenbogens erklärt. Dieser bunte Bogen ist der sichtbare Beweis, dass die Erde Zukunft hat. Und Gott verspricht: „Säen und Ernten, Hitze und Kälte, der Zyklus der Jahreszeiten, der Wechsel von Tag und Nacht – ich werde sie nie mehr aussetzen.“ (1. Mose 8,22)

Was für ein danach! Mich tröstet dieser grundlegende Neuanfang Gottes mit den Menschen und mit der Schöpfung. Er macht mir Mut, auch selber auf solche Wechsel im Denken und im Verhalten zu setzen. Nicht nur die gegenwärtige Pandemie lässt sich dann besser ertragen. Sondern noch manch anderes Verzweifeln über menschlichen Irrsinn.

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