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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Können Sie mit den Ohren wackeln?
Mein Nachbar kann das. Wenn seine Enkel da sind, gibt er eine Vorstellung. Die lachen sich halbtot. Hoch und runter. Vor und zurück. Er muss sich dabei mächtig anstrengen.
Ich kann das nicht - mit den Ohren wackeln. Muss ja auch nicht sein.
Ohren sind zuerst zum Hören da. Im Hören kommt die ganze Welt in unser kleines Leben. Wer nicht gut hört, an dem geht viel vom Leben vorbei. Die Bibel, das Buch mit vielen Worten fürs Leben, legt daher großen Wert aufs Hören.
Besonders Matthäus, einer der vier Jesus-Autoren im Neuen Testament, er hat es mit dem Hören. Wer Ohren hat zu hören, der höre, ist bei ihm von Jesus zu lesen (Mt 11,15). Er stellt das Hören besonders heraus, weil er findet: nur wer hört, was gesagt wird, kann sein Tun danach einrichten. Jesus war übrigens überzeugt, dass es lebenswichtig ist, wie sich Menschen zu seinen Worten verhalten, ob sie darauf vertrauen, ob sie ihr Verhalten danach richten. Daran entscheidet sich das Leben.
Auch wer gesunde, gute Ohren hat, überhört vieles. Manchmal unabsichtlich, manchmal mit Absicht. Sie haben Ohren und hören nicht – hat Jesus einmal gesagt. (Mt 13,13f).
Ich habe es dir doch gesagt, aber du hörst mir ja nicht zu.
Vielleicht kommt Ihnen dieser Satz irgendwie bekannt vor. Er zeigt: Ohren haben und hören ist nicht dasselbe. Hören braucht mehr als Ohren.
Es braucht Zu-wenden: ich muss mich schon umdrehen und nicht am Bildschirm hängen bleiben.
Es braucht Auf-merken: von der Zeitung aufschauen.
Hin-fühlen: mit der inneren Frage zuhören, wie geht es dir gerade, was willst du mir sagen?

Ich vermute, das ist so ähnlich wie mit dem Sehen, von dem einer sagt: Man sieht nur mit dem Herzen gut. So auch beim Hören. Man hört nur mit dem Herzen gut.
Richtig zuhören, dazu brauche ich Ohren, offene Ohren und ein weites Herz.
Mit weitem Herzen hören bedeutet für mich: ich bin bereit, etwas von dir zu erfahren, was ich noch nicht weiß. Ich möchte noch mehr von dir wissen, dich noch tiefer verstehen. Diese Einstellung verändert mein Hören. Mit dieser Haltung werde ich auch vertraute Worte der Bibel neu hören. Nicht alle, aber manche werde ich hören, als seien sie heute für mich gesagt. Zum Beispiel: hab keine Angst, hab nur Vertrauen.
Wenn ich auch nicht mit den Ohren wackeln kann – ich wünsche mir Ohren, die wirklich hören.

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