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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

19NOV2021
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Mit Rosen wird sie oft dargestellt. Elisabeth von Thüringen, die heilige des heutigen Tages. Die Landgräfin, die es einfach nicht ertragen kann, dass auf der Burg große Feste gefeiert werden, während unten im Tal die einfachen Leute verhungern. Körbeweise bringt sie Brot vom Hof in die Stadt, obwohl das verboten ist. Und Elisabeth wird erwischt. Und dann geschieht es: Das Rosenwunder. Als Elisabeth das Tuch über dem Korb lüftet, in dem sie die geschmuggelten Brote versteckte, waren aus den Broten Rosen geworden.

Wir haben heute so unsere Probleme mit solchen Wundererzählungen. Dabei, dass aus Brot Rosen werden, das passiert auch heute. Brot steht symbolisch für die Nahrung des Körpers. Steht für alles, was wir Menschen brauchen, um überleben zu können. Und Rosen stehen symbolisch für die Nahrung der Seele. Und die brauchen wir Menschen auch. Wenn ich eine Rose geschenkt bekomme, sagt mir jemand: Ich denke an Dich. Und das tut meiner Seele gut.

Dass aus Brot Rosen werden, geschieht zum Beispiel im Moment im Hochwassergebiet an der Ahr. Tausende Helferinnen und Helfer haben dort die letzten Monate geschuftet und einige tun es immer noch. Haben im wahrsten Sinne des Wortes Brot verteilt, Schlamm gescheppt, Keller gereinigt, Häuser entkernt, Müll beseitigt, einfach angepackt, damit Menschen in großer Not und großem Leid überleben können. Und sie haben damit auch Rosen verteilt. Sie haben den Menschen in den Hochwassergebieten gezeigt: Ihr seid nicht vergessen, wir sind für Euch da, Ihr seid uns wichtig.

In einem Lied zu dem Rosenwunder der Elisabeth heißt es: Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Für mich zeigen die Helferinnen und Helfer an der Ahr, dass das Gute in der Welt – wir Theologen nennen das das Reich Gottes – nicht klein zu kriegen ist – gerade auch in Zeiten der Not. Danke dafür.

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