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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

18NOV2021
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„Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ So spricht Gott in der Bibel, genauer gesagt im Buch Jesaja (66,13). Er wendet sich damit an das Volk Israel, als es diesem so richtig dreckig geht. Komisch, denke ich. Immer reden wir von Gott als dem Herrn oder dem Vater und hier auf einmal will Gott selbst wie eine Mutter sein, wird er auf einmal weiblich? Ein bisschen ärgert mich das auch, als ob ich als Mann und Vater nicht auch trösten könnte? Muss ich dafür in die Mutterrolle gehen? Und dann denke ich zurück. Und wenn ich da ganz ehrlich bin, wenn ich mir als Kind die Knie aufgeschlagen habe und Trost brauchte, bin ich auch zur Mutter gelaufen, nicht zum Vater. Und wenn meine Kinder von der Rutsche gefallen sind, haben sie sich auch eher von meiner Frau trösten lassen als von mir. Es ist mühsam, darüber zu diskutieren, dass Mütter besser trösten können, einfach weil sie Mütter sind oder weil man sie daraufhin erzogen hat. Ob’s an den Genen oder an der Erziehung liegt? Biblischer Fakt ist, wenn es ums Trösten geht, will Gott lieber eine Mutter sein als ein Vater. Ihm macht es dann nichts aus, das Geschlecht, das man ihm ansonsten so gerne zuschreibt, einfach mal zu wechseln, weiblich zu werden.  

Eigentlich gar nicht so schlecht, was Gott mir - als Mann - da so vormacht. Wenn trösten können etwas Mütterliches ist, dann sollte ich eben mal die weiblichen Anteile in mir aktivieren. Denn von der Biologie her wissen wir: Jeder und jede hat auch ein bisschen was vom andern Geschlecht. Als Vater kann ich auch Mutter, so wie viele Mütter auch wie ein Vater sein können. Einfach mal probieren. Vielleicht schaffe ich es ja, dass meine Enkel, wenn sie vom Baum gefallen sind und Trost brauchen, auch mal zu mir kommen. Freuen würde es mich auf alle Fälle.

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