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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wenn ich Dich nicht hätte. Was hätte ich jetzt gemacht ohne Dich?
Aber Du hast mich doch, Mama, sagt die 5-jährige Lisa. Und schleppt den Packen Pampers für ihren kleinen Bruder die Treppe hinauf. Stolz als läge es an ihr, wenn der Haushalt klappt und die Familie noch nicht zusammengebrochen ist.
Irgendwie hat Lisa recht. Wir haben Menschen, die uns unterstützen und auf ihre Weise einen Beitrag leisten zu unserem Leben. Darauf weist auch ein Vers aus dem Johannesevangelium hin. Jesus sagt zu seinen Mitarbeitern:
Ich habe euch gesandt zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und euch ist ihre Arbeit zugute gekommen (Joh 4, 37f).
Gott sei Dank, ich muss nicht alles alleine schaffen. Es gibt Menschen, die mich entlasten, die mich vertreten… für mich einspringen… die ihre Fähigkeiten einsetzen und für mich schaffen. Die gibt es auch in dieser Woche. Menschen, denen ich sagen kann: wenn ich dich nicht hätte. Was hätte ich jetzt gemacht ohne dich.
Manches Mal habe ich das Gefühl: alles hängt an mir und es wird immer mehr. Dann hilft mir ein Lied von Hans-Dieter Hüsch, in dem er singt,
was alles er genießen darf, weil die anderen es für ihn machen,
was alles ihm nützt, weil andere es für ihn erledigen. :
Ich habe die Faser nicht gesponnen, den Stoff nicht gewebt und bin doch gut angezogen
Ich habe nicht gekeltert und trinke doch den Wein
Ich hab die Häuser nicht gebaut und habe doch zu wohnen
Viele haben mich genährt, gelehrt, gefördert und tun dies bis heute.
So ein Lied bringt mich wieder ins Lot. Das korrigiert meinen Knick in der Optik.
Und - bewahrt vor Selbstmitleid: Es stimmt ja gar nicht, dass alles immer an mir hängt. Viele sind da, die mich unterstützen.
Die Altenpflegerin aus der Ukraine, die meinen Vater wäscht, der Azubi in der Garage, der mir die Reifen wechselt, und selbst ganz weit weg der Bauer, der den Kakao anbaut für die Schokolade, die ich heute Mittag nasche. Was sie arbeiten, kommt mir zugute.
Wenn ich die Arbeit dieser Menschen wahrnehme und darin einen Beitrag zu meinem Leben erkenne, das entlastet mich. Ich werde befreit von diesem Gefühl: alles hängt an mir. Ich muss alles alleine machen.
Das nimmt viel Druck weg - ich geh leichter in die neue Woche.
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