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SWR3 Gedanken

28OKT2021
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In klaren Herbstnächten, die kalt, aber noch nicht eisig sind, gehe ich vorm Schlafengehen gern nochmal nach draussen. Um diese frische Luft zu atmen und dabei in den Sternen zu schauen. Dann bin ich da, ganz einfach da, und spüre ein Stück Zeitlosigkeit. Will sie auskosten, diese Zeit, die mir gegeben ist. Will sie spüren, in diesen selten klaren Momenten zwischen Vergangenheit und Zukunft, die ich beide nicht fassen kann.
In Nächten wie diesen ordnen sich die Bruchstücke meines Lebens wieder ein wenig. Das Riechen und Schauen bringt mich dem Zustand näher, aus dem mich der Alltag immer wieder nimmt. Bettet mich ein in die Natur, in ihre schöne und harmonische Seite. Und lässt mich wohlig mein Hirn ausschalten, das zu genau weiß, dass diese Natur auch sehr unschöne, zerstörerische Seiten hat. Oder dass mein Leben so zufällig sein könnte wie das jenes längst verloschenen Sterns, der mir gerade so zum Greifen nah erscheint.
In diesem Widerspruch zwischen Herz und Hirn tut mir ein Satz von Albert Einstein gut. Dem Mann, der die Naturgesetze durchschaut hat wie kaum ein anderer. Auf die Frage, ob all die Gesetze der Natur und der ganze Kosmos nicht eine riesen Anhäufung von Zufällen seien oder ob nicht doch eine Art göttlicher Ordnung dahinterstecke, hat er geantwortet: „Der Alte würfelt nicht“.

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