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SWR4 Abendgedanken

23SEP2021
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Was für eine komische Zeit. Seit anderthalb Jahren leben wir, wie wir uns das nie vorstellen konnten. Fast habe ich mich daran gewöhnt, eine Maske zu tragen, wenn ich anderen Menschen nahe komme. Aber grundsätzlich achte ich lieber auf Abstand. Um kein Risiko einzugehen. Um nicht infiziert zu werden. Um niemanden anzustecken.

In den Gottesdiensten erlebe ich die Einschränkungen sehr deutlich. Es ist ein komisches Bild, wenn ich von der Kanzel in die Gemeinde hineinschaue, wie sie da so isoliert sitzen, jede und jeder für sich, Paare und Familien zusammen. Und alle mit einem Mund-Nase-Schutz. Ein wenig besser ist es geworden, immerhin dürfen wir wieder gemeinsam singen, wenn auch mit Maske. Aber es macht Hoffnung, dass es irgendwann wieder ohne Einschränkungen geht.

Im vergangenen Jahr habe ich nur ganz wenige Taufen gefeiert. Nicht, weil keine Kinder zur Welt gekommen wären. Sondern weil ein so besonderer Gottesdienst nicht möglich war und eine anschließende Familienfeier auch nicht.

Jetzt ist vieles leichter und einfacher. Und es wirkt, als ginge ein Seufzer durch die Reihen: Endlich! Wir wollen, dass unser Kind getauft wird. Wir hätten ja gern schon viel eher darum gebeten, aber es wirkte alles so bedrückend. Jetzt wollen wir aber nicht mehr warten.

Und nun kommen sie, eine Familie nach der anderen. Seit die Sommerferien vorüber sind, vergeht kaum ein Sonntag ohne Taufe. Dankbare und fröhliche Eltern kommen in die Kirche.

Sie freuen sich, dass ihr Kind beschenkt wird mit der Liebe und der Zusage Gottes, da zu sein. Sie haben sich danach gesehnt und fühlten sich gebremst. Jetzt endlich hat die Freude eine Möglichkeit gefunden. Und sie wird genutzt. Wie schön.

Ich freue mich für die Kinder. Ich freue mich mit den Familien. Und ich sehe, wie Gottes Wege mit seinen Menschen weitergehen. Eine Krise kann uns verunsichern. Sie kann uns einschränken und ausbremsenAber sie verhindert die Zukunft nicht. Gott sei Dank!

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