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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25SEP2021
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Im Netz trifft man auf ein schlaues Kerlchen, den „Wahl-O-mat“. Er informiert über Parteien und ihre Programme und hilft, sich zu entscheiden. In der Bibel bin ich auch auf einen „Wahl-O-mat“ gestoßen. Im fünften Buch Mose (30,1-20) fordert Gott eine Volksabstimmung. Einige der Stämme Israels waren nach langen Jahren des Exils aus Babylon in ihre Heimat zurückgekehrt. Aber viele hatten in der Fremde ihren Glauben an Gott verloren. Der stellt nun jeden einzelnen der Heimkehrer vor die Wahl: „Siehe, ich lege dir vor Leben und Tod, Segen und Fluch. Wähle das Leben!“ Eine wahre Steilvorlage: Hopp oder topp!

Wähle das Leben! Aber wie setze ich das morgen in der Wahlkabine um? Indem ich Parteien und ihre Programme daraufhin abzuklopfe, ob und wie sie dem guten Leben für alle dienen. Wie schaffen sie sozialen Ausgleich, damit die Gesellschaft nicht noch mehr in „arm“ und „reich“ auseinanderfällt? Was tun sie für den Weltfrieden und die Versöhnung der Völker? Welche Parteien eröffnen der Jugend eine Zukunft? Wie wollen sie die Erderwärmung stoppen und die Ressourcen schonen? In der Hoffnung, dass diese Programme keine Sprechblasen sind, leihe ich am Ende meine Stimme der Partei, die am meisten punktet. Ein Kompromiss, mehr nicht!

Kein Verständnis habe ich für jene Zeitgenossen, die auch morgen wieder auf ihre Stimmabgabe verzichten. Die haben eigentlich kein Recht mehr, über die Regierung zu meckern, sie haben sich ja selber entmündigt. Manche meinen wohl, Demokratie laufe von allein. Andere sind einfach zu faul oder auch müde und resigniert: „Die machen ja doch, was sie wollen“, jammern sie und haben auch noch Recht: Die machen wirklich, was sie wollen, aber nur wenn wir sie machen lassen! Wer sein Wahlrecht nicht einlöst, ebnet den Feinden der Demokratie den Weg. Denen, die unverhohlen zu erkennen geben, dass sie mit den Mitteln der Demokratie dieselbe demontieren wollen.

Wahlrecht ist auch Wahlpflicht! Am Wahltag sein Kreuzchen zu machen, ist wohl das Mindeste, was ein Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern abverlangen darf. Eine einzige Wählerstimme bringt zwar nur ein Fliegengewicht auf die Waage. Als Christ lege ich es dennoch bewusst auf jene Schale, die sich dem Leben und nicht dem Tod, dem Segen und nicht dem Fluch zuneigt.

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