Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

22SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Gerade leben wir in Zeiten des Wahlkampfs! Überall Plakate. Gesichter. Situationen. Daneben kurze Sätze. Slogans. Komprimierte Botschaften, die mich auffordern, dieser oder jener Partei, diesem Kandidaten oder jener Kandidatin meine Stimme zu geben.

Es gibt eine kleine Textpassage in der Bibel, bei der muss ich immer an Wahlplakate denken. Da sagt Jesus Sätze über sich, die direkt aus einer Werbeagentur stammen könnten. „Kommt doch zu mir, wenn euch das Leben schwerfällt oder wenn ihr Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken. Ich sorge dafür, dass es euch wieder gut geht. Mein Joch ist leicht!“ (Matthäus 11,28+29)

Immer, wenn ich diese Sätze lese, stelle ich sie mir auf große Plakate geschrieben vor. Wenn ich nicht wüsste, wem sie zugeschrieben werden, da wäre ich – ehrlich gesagt – ganz schön skeptisch. Die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen von Jesus wussten doch auch schon, was das heißt: Druck. Und auch Unterdrückung. Die Römer als Besatzer im Land. Ungerechte Abgaben, die in den falschen Taschen landen.

Da klingen diese Worte doch eher wie die üblichen haltlosen Versprechen. Große Worte, nichts dahinter! Verstehen kann ich das nur, wenn ich mir klarmache: Jesus beschreibt hier ein Grundsatzprogramm. Aber keines, für das er um Stimmen kämpft, mitten auf dem Markt verschiedenster Anbieter. Jesus lässt vor den Augen und Ohren derjenigen, die ihm zuhören, die Vision einer besseren Zukunft entstehen. Das Bild einer Welt, für die sich die Menschen dann schon auch selber stark machen müssen. Irgendwie wirbt Jesus auch für sich. Aber nicht aus Eigeninteresse. Sondern um den Menschen einen Weg zu eröffnen, Gott zu begegnen.

Die Sprache mag ja nach Wahlkampf klingen. Es geht aber doch noch einmal um etwas ganz anderes. Nicht um die Möglichkeiten der Menschen. Sondern um die Möglichkeiten Gottes. Wenn ich mich auf diese Möglichkeiten verlasse, kann ich mich dann aber auch einmischen. Mich einbringen in die Welt, in der ich lebe.

Ich weiß doch, dass nicht alles so weitergehen kann. Dass ich in meinem Leben einiges ändern muss, um für die großen Fragen der Menschheit Lösungen zu finden. Da ist es gut zu wissen, woher meine Kraft kommt. Und zu entscheiden, worauf es ankommt. Auch wenn das, worauf ich mich einstellen muss, ja wahrhaftig nicht nur leicht ist. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33930