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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11AUG2021
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Es war ein Sommermorgen wie im Bilderbuch: Stahlblauer Himmel mit ein paar Schönwetterwolken und einer frischen Luft wie zum Trinken. Wir hatten Zimmerleute in unserem Garten, sie haben uns einen neuen Geräteschuppen gebaut. Und an solch einem Morgen ihre Arbeit auch richtig genossen. Wir kamen ins Gespräch miteinander und ein junger Zimmermannsgeselle mit dicken Muskelpaketen war besonders offen.
Er hat erzählt, dass er erst Abi gemacht hat, dann aber nicht studieren wollte, lieber erstmal was Praktisches, Handfestes machen wollte. „Und da haben Sie auch Ihre Hammermuckis her?, hab ich ihn gefragt. „Nein“, hat er geantwortet, „die habe ich eher von der ‚Muckibude‘. „Ah ja“, sagte ich „aber wie kommt es, dass Sie, wo Sie doch eh schon so viel körperlich arbeiten da abends nochmal nachlegen? Ich hatte ihm kurz zuvor, als er mich nach meinem Beruf gefragt hatte, gesagt, dass ich für die Kirche im Radio arbeite und wohl deswegen hat er mir mit einem Lächeln im Gesicht geantwortet: „Ja dann werden Sie den Grund meines Bodybuildings wohl  gut verstehen. Sie kennen doch sicher den Satz aus der Bibel, ‚Euer Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes‘ und warum sollte ich dem Heiligen Geist nur eine kleine Kapelle bauen, wenn er einen Dom haben kann?“ Ding Dong, da hat er echt eine schöne große Glocke angeschlagen, dieser Zimmermannsgeselle und dabei so stolz wie fröhlich gestrahlt.

Zu Recht, denn unsere Körper sind Gabe und auf Aufgabe, je älter sie sind umso mehr. Und daher ist es auch so schön wie notwendig, sie zu hegen und zu pflegen. Vom Anfang bis zum Ende. Egal ob sie nun ein kleiner feiner Tempel sind, eine morsche alte Hütte oder ein stattlicher Dom.

Der Geist Gottes wohnt in allen. Und kann auch aus allen sprechen – manchmal ganz unverhofft und überraschend. Wie aus einem Zimmermannsgesellen an einem wunderschönen Sommermorgen.

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