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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

07AUG2021
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Morgen ist Israelsonntag - evangelische Christen nehmen ihr Verhältnis zum Judentum in den Blick. Viel zu lange dieses Verhältnis in Schieflage geraten und die Kirche dachte, sie sei dem jüdischen Glauben überlegen. Inzwischen hat die Kirche zum Glück die Perspektive gewechselt: Endlich geht es nicht mehr darum, wer recht hat und den „richtigeren“ Glauben - Christen oder Juden. Es geht endlich darum, was am jeweiligen Glauben das Wichtigste ist.

In dieser Frage sind sich Christen und Juden einig, wie eine Geschichte aus der Bibel erzählt. Ein Schriftgelehrter, also ein leidenschaftlicher jüdischer Wahrheitssucher, kommt zu Jesus von Nazareth mit der Frage aller Fragen: Was ist das Wichtigste im Leben? Woran muss man sich halten, wenn man gerecht sein und sein Leben so anpacken will, dass es vor Gott Bestand hat? Jesus antwortet ohne Zögern mit zwei Geboten aus der jüdischen Bibel, dem Alten Testament: Liebe Gott mit Leib und Seele - und: Liebe deinen Mitmenschen so, wie du dich selbst liebst.

Zwei Gebote aus der jüdischen Bibel. Eigentlich sind sie eins: Und darum nennt man es das Doppelgebot der Liebe. Und der jüdische Schriftgelehrte in der Bibel ist sofort ganz begeistert: Wie recht du hast, Jesus! Platzt es aus ihm heraus. Gott lieben und seien Mitmenschen wie sich selbst - da steckt alles drin! Alle Gebote, alle heiligen Schriften alle Gottesdienste und alle Rituale. Das ist das Wichtigste im Leben.

Morgen, am Israel-Sonntag, ist in vielen evangelischen Kirchen von diesem begeisterten jüdischen Schriftgelehrten zu hören. Er und Jesus sind sich einig: Das wichtigste im Leben ist die Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Da steckt der Perspektivenwechsel drin, der uns Christen so gut getan hat: Das Doppelgebot der Liebe ist nichts, was wir besitzen.. Es ist ein Gebot, eine Aufforderung, ja - eine Herausforderung! Gott lieben - und nicht meinen, ich sei der Herr der Welt. Und deshalb meinen Mitmenschen so lieben, wie mich selbst - und nicht meinen, ich sei etwas Besseres. Entweder, diese Wahrheit packt mich - oder sie ist nichts wahres. Wer meint, er hätte dieses Gebot in der Tasche, der macht es kaputt. Wie gut, dass wir Christen da unsere Perspektive gewechselt haben. Gottes Gebote sind eine Herausforderung. Sie schicken einen auf den Weg, egal ob Juden oder Christen.

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