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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14JUL2021
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Jeder elfte Mensch auf unserem Planeten hungert. Weltweit sind das etwa 690 Millionen Menschen. Vor allem Kinder. So hat es die Welthungerhilfe jüngst mitgeteilt[1].

Mich hat das erschüttert und ratlos gemacht. Die Vorstellung, dass von elf Menschen einer Hunger leidet. Zumal ich bei der Recherche auf schlimme Bilder gestoßen bin. Abgemagerte Kinder, die unter glühender Sonne einen Pflug schieben; auf einem Land, das mehr nach Wüste als nach Ackerboden aussieht. So ist die Lage derzeit in Madagaskar. Dort gibt es die schlimmste Hungersnot seit Jahrzehnten.

Mich lässt das nicht kalt, obwohl ich schön häufiger solche Fotos gesehen habe. Und ich finde: Das darf uns als Europäer allesamt nicht egal sein. Es ist eine Schande für die Menschheit, dass auf unserer Erde auch nur ein Kind hungern muss. Denn wir hätten die Möglichkeit, das abzustellen. Wir müssten nur teilen. Mehr als bisher und viel konsequenter. Wir müssten das, was wir sehen und verstehen, in die Tat umsetzen: dass wir auf Halde produzieren, weil wir auf Nummer sicher gehen wollen, statt unseren Überfluss rechtzeitig dorthin zu bringen, wo es nicht genug gibt. Wir müssten darüber erschrecken, dass Millionen von Tonnen an Lebensmitteln allein in Deutschland im Müll landen[2]. Und nicht einmal, weil sie alt oder schlecht wären, sondern weil sie zu viel sind. Weil ich zu viel einkaufe, weil die Fülle so verführerisch ist, weil ich am Essen nicht sparen muss.

Ich kann nicht mit einem Koffer mit Lebensmitteln nach Madagaskar fliegen, um zu teilen. So einfach ist die Ungerechtigkeit leider nicht aufzulösen. Aber ich kann durchaus etwas tun. Nur so viel kaufen, wie ich bei guter Planung wirklich benötige; und das dabei gesparte Geld spenden. Produkte kaufen, die bei mir in der Nähe auf den Feldern oder im Stall stehen. Ich kann Projekte unterstützen, die sich im Kampf gegen den Hunger engagieren, indem sie die Menschen dort fördern, wo sie leben. Bei der Infrastruktur, bei der Bildung.

Die Welthungerhilfe hat sich ein Ziel gesetzt: ZeroHunger bis 2030. Krisen, Konflikte und der Klimawandel behindern dieses Ziel. Weil in unserer Welt alles zusammenhängt. Weil wir Menschen miteinander verbunden sind. Es tut mir weh zu sehen, dass ein Mensch leidet, weil er nicht genug zu essen hat und ich so viel. Weil jeder Mensch die gleichen Rechte hat.

 

[1]https://www.welthungerhilfe.de/hunger/welthunger-index/

[2]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33487