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SWR1 3vor8

14MRZ2021
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In diesen Tagen vor Ostern sät der Mesner Weizen. Der Mesner in der Kirche, in die ich oft am Sonntag gehe. Anderswo heißt das Küster oder Kirchendiener. Er sät den Weizen in ein großes Kreuz, sicher um die 3 Meter hoch. Das begießt und pflegt er dann und an Ostern wird das Kreuz in der Kirche auf die Altarstufen gelegt. Dann ist ein wunderbarer Teppich aus frischem Grün gewachsen. Alle, die das sehen, freuen sich darüber. Bloß die Körner – die sind verschwunden.

Diesen Brauch gibt es seit vielen Jahren in unserer Kirche. Er erinnert an Jesus, der von sich selbst gesagt hat: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht“ (Joh 12, 24). Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten über diese Sätze aus dem Johannesevangelium gepredigt.

Da wird erzählt, wie Jesus sein eigenes Schicksal beschrieben hat. Er würde zum Tode verurteilt werden und Sterben, das hat er klar gesehen. Vielen hat damals nicht gepasst, was er gesagt und wie er mit den Menschen umgegangen ist. Dass Gott alle liebt und will, dass alle gut leben können. Selbst die, die durch ihre Lebensverhältnisse oder ihre eigene Schuld ins Abseits geraten sind. Dass es dazu nötig ist, sich gerade auch um die Menschen am Rand der Gesellschaft zu kümmern. Dass es nötig ist, zu teilen, was da ist, damit es für alle reicht. Jesus hat das immer wieder gesagt und gezeigt und Menschen haben gemerkt, wie das Leben besser wird, wenn man sich auf ihn einlässt. Aber die damals Mächtigen in Religion und Staat konnten diese Konkurrenz nicht dulden. Also haben sie ihn hinrichten lassen.

Aber damit war nicht alles zu Ende. Jesus und seine Predigt vom menschenfreundlichen Gott nicht. Und auch das Leben selbst war nicht zu Ende. Jesus lebt, haben seine Freundinnen nach ein paar Tagen erfahren. Und sie waren überzeugt: wenn wir leben, wie er es uns gezeigt hat, dann wird das Leben gut. Dann ist Gott bei uns. Das Weizenkorn ist gestorben, aber es bringt viel Frucht. Da wächst etwas – bis heute. Nicht überall und zu jeder Zeit gleich. Aber immer wieder neu.

„Wenn das Weizenkorn stirbt, bringt es viel Frucht“. Jedes Jahr kann man das in unserer Kirche sehen. Mit dem großen Kreuz, auf dem der Weizen wächst, erinnert der Mesner an Jesus und sein Schicksal. Und er erinnert mich auch: Manchmal ist es nötig, auf eigene Möglichkeiten zu verzichten und für andere zu sorgen. Manchmal kann nur so das Leben wachsen.

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