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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20FEB2021
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Wie gut, dass man immer noch Neues lernt, sogar wenn man schon im Rentenalter ist. Wenn man noch nicht so richtig weiß, wie es weitergehen soll, wenn man unsicher ist und ein bisschen ängstlich, dann braucht man manchmal einen Anstoß. Etwas Neues, das einem gute Laune macht und wieder Schwung gibt und Mut.

Ich habe neulich einen Walzer kennen gelernt, gespielt im Stil der französischen Musette. Eine sehr schlichte Melodie, ich habe sie einmal gehört und noch tagelang ging sie mir nicht aus dem Kopf.

Der Walzer steht im Gesangbuch, genauer gesagt, in dem Ergänzungsbüchlein mit neuen Liedern. Und der Text ist ebenfalls ganz einfach: „Gottes Segen behüte dich nun, Gottes Frieden in all deinem Tun. Geh gesegnet, getröstet, gestärkt und geliebt, in der Freude, die Gott dir heut gibt.“ (Neue Lieder, Ergänzung zum Evangelischen Gesangbuch in Baden und Württemberg, Nr 146).

Man kann das Lied auch im Internet finden, gesungen von Frauen, begleitet von Akkordeon und Gitarre. Tänzerisch, ein bisschen pariserisch. Man sieht die Champs Elysees und den Triumphbogen beinahe vor sich und riecht den Frühling.

Mich hat das Lied sehr angerührt und bewegt. Gottes Segen für alles, was nun kommt. Damit kann man gut in die Zukunft gehen, finde ich. Gottes Frieden in all deinem Tun. Die Unruhe hört hoffentlich auf. Die Sorge, ob auch alles klappt. Die Angst, ich könnte etwas Wichtiges vergessen. Stattdessen Ruhe. Aber das ist keine bleierne Schwere, auch keine Bequemlichkeit, die nichts mehr erwartet und sich zu nichts mehr aufraffen kann. Diese Ruhe im Walzertakt, die bringt einen in Schwung. Fröhlich und unbeschwert. Wer unruhig ist und unsicher, der bleibt stehen und wagt keinen Schritt mehr. Wer ängstlich ist, dem zittern die Hände, die Gedanken sehen immer nur Schwierigkeiten und finden keinen Ausweg. Dieses Lied singt von Segen und Frieden im Walzertakt. Gelassen und ausgeglichen und trotzdem schwungvoll und heiter und lebensfroh. Wie schön, wenn man so durchs Leben gehen kann.

Geh! Heißt es in dem Lied. Bleib nicht stehen. Schau nicht zurück. Schon gar nicht mit Bedauern. Das Leben ist ein Tanz. Wie ein Walzer. Den kann man nicht allein tanzen. Man braucht jemanden, an dem man sich halten kann. Beim Walzer geben sich Menschen gegenseitig Halt. Sonst kann man sich nicht drehen. Solche Menschen, an denen man sich halten und mit denen man tanzen kann – die sind ein Segen. Die helfen zum Leben.

„Freude, die Gott dir heut gibt“ heißt es am Schluss dieses Walzer-Liedes. Man kann das nicht für alle Zukunft versprechen. Aber jeden Tag neu. Wie schön!

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