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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17FEB2021
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Aschermittwoch. Die Fastenzeit fängt an. Du liebe Zeit, sagen sie jetzt vielleicht. Es reicht. Ich verzichte doch schon auf so viel. Was denn noch?

Ich gebe zu, ich habe dieses Jahr, auch keine Lust, auch noch auf Schokolade zu verzichten, auf Fernsehen oder das Bier am Feierabend.

Deshalb finde ich die Idee gut, die 7-Wochen-ohne in diesem Jahr hat. 7-Wochen-ohne: die Fastenaktion der evangelischen Kirche. In diesem Jahr heißt das Motto: 7-Wochen-ohne Blockaden. Es geht um Regeln und Verordnungen. Wir brauchen sie, gerade in dieser Zeit der Pandemie. Aber sie können einen richtiggehend blockieren und lähmen. Nichts geht mehr vor lauter Regeln. Jedenfalls dann, wenn man immer bloß jammernd darauf schaut, was nun alles nicht geht und verboten ist.

„Spielraum!“ heißt die Fastenaktion, „sieben Wochen ohne Blockaden“. Ein Kalender erinnert bis Ostern jeden Tag daran, dass jede Regel Spielräume hat. Nicht, indem man die Lücken findet und die Regel trickreich umgeht. Das ist nicht gemeint. Aber man kann nachdenken und phantasiereich herausfinden, was dennoch geht.

Ich habe den 7-Wochen-ohne Blockaden Kalender schon angeschaut. Am meisten hat mich die Woche beeindruckt, in der es um Rollenblockaden geht. Also darum, wie mich die Rolle blockiert, die ich spiele. Oder spielen will. Wenn andere sagen: „Das gehört sich nicht für eine Pfarrerin“. Oder „Dafür bist du doch zu alt“. Oder: „in unserer Familie hat es das noch nie gegeben“. Solche Rollenzuschreibungen blockieren einen. Die Bibel erzählt das von einem Mann namens Jeremia. Der sollte – im Auftrag Gottes – seinen Landsleuten unangenehme Dinge sagen. Da war er wie blockiert. „Ich bin zu jung“ hat er gesagt. „Sie werden nicht auf mich hören“.

Klar, wer hört schon auf einen jungen Mann oder eine junge Frau, die die eigene Tochter sein könnte oder der Sohn. „Wissen alles besser, die jungen Leute!“ Zugegeben: So denke ich auch manchmal. Jeremia damals hat gewusst, wie die Leute ticken. Das hat ihn blockiert. Er wollte die Aufgabe nicht übernehmen. Da hat Gott ihn wissen lassen. „Fürchte dich nicht vor ihnen. Ich bin bei dir.“

Lass dich nicht blockieren von dem, was nicht geht oder sich nicht gehört. Überleg, was möglich ist. Es geht mehr, als du denkst. Mich hat das beflügelt und meine Fantasie in Gang gebracht.

Wenn Sie solche Ideen und Anstöße auch brauchen können. Den 7-Wochen-ohne-Kalender gibt es noch im Buchhandel oder im Internet.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32615