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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

16FEB2021
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„Wenn Gott die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Jubel sein.“ (Ps 126, 1-2)

Das ist der Anfang des 126. Psalms. Psalmen sind die Gebete in der Bibel. Das klingt ein bisschen wie ein biblischer Kommentar zum heutigen Fasnachtsdienstag. Irgendwann, wenn die Schrecken der Pandemie vorbei sind, dann werden wir wieder jubeln und lachen. Bis dahin aber bleibt nur jammern und klagen. Nichts geht so leicht und locker wie früher. Alle machen sich Sorgen um die Zukunft. Wer weiß, was noch kommt und wann das endlich aufhört.

Die Prognosen sind unsicher. Vielleicht Ende des Sommers, heißt es. Aber wenn es neue Mutationen gibt? Wer weiß.
Was hilft da so eine Aussicht: „wenn Gott die Gefangenen erlösen wird“? Erlösen wird. In irgendeiner Zukunft also.

Manchmal hilft es aber, genauer hinzuschauen. Dabei habe ich gesehen: nur meine Lutherbibel formuliert hier in der Zukunftsform. In der hebräischen Ursprache konnte man Vergangenheit und Zukunft nur nach dem Sinn unterscheiden. Und Luther, umgeben von den Schrecken des Mittelalters, hat beim Übersetzen gemeint: so eine paradiesischen Jubel, den kann es nur in der Zukunft geben. Später haben andere anders übersetzt. Sie haben verstanden: Der da gebetet hat, der hat zurück geschaut. Zurückgeschaut auf die Vergangenheit, in der Gott sein Volk aus der Gefangenschaft befreit hat. Das hat zu den wichtigsten Erfahrungen der Menschen in jener biblischen Zeit gehört. Gott hat uns erlöst und befreit! Daran erinnert sich der Psalmbeter: „Als Gott unser Schicksal zum Guten gewendet hat“ hat er geetet.

Der Mensch, der betet erinnert sich. Und dann bittet er für die Zukunft: „Gott, wende auch jetzt unser Schicksal zum Guten!“ Die Erinnerung an die Vergangenheit hat im Mut gemacht, für die Gegenwart zu beten. Gott hat schon oft geholfen – er wird uns auch jetzt nicht im Stich lassen.

Wenn ich recht überlege: ich habe auch schon oft erlebt, wie Gott geholfen hat. Mir selbst, in meiner Familie, auch in unserem Land. Und auch jetzt in der Pandemie sieht es ja so aus, als ob es Licht gibt am Ende des Tunnels.

Ich glaube, dieser ausgefallene Fasnachtsdienstag ist ein guter Tag zum Beten: „Gott, wende unser Schicksal zum Guten!“

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