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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15FEB2021
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Saalfasnacht, Straßenfasnet, Umzüge: in diesem Jahr fällt das alles aus. Im Radio allerdings, im Fernsehen und im Internet, da kann man Schunkellieder hören und Maskierte sehen – sich gute Laune machen lassen, wenn man ein Fasnachtsfan ist. Gut, dass es wenigstens das gibt.

Manche allerdings werden die Fasnacht kaum vermissen, weil sie auch sonst eher genervt waren von den tollen Tagen. Gerade auch manche Christen haben nicht viel am Hut mit dem Karneval. Im Mittelalter vertraten die Kirchen sogar die Meinung lachen sei unchristlich. Schließlich habe Jesus auch nie gelacht. In dem mittelalterlichen Klosterroman „Der Name der Rose“ kann man lesen: “Lachen tötet die Furcht, und wenn es keine Furcht gibt, wird es keinen Glauben mehr geben". Lachen kann die Mächtigen vom Thron stürzen, das stimmt wohl.

Aber hat denn Jesus wirklich nicht gelacht? Es ist wahr, nirgends in der Bibel steht: „da lachte Jesus“. Aber gleich am Anfang seines Wirkens war er auf einer Hochzeit eingeladen. Ob er da wirklich nicht mit den anderen fröhlich war und gelacht hat? Sein erstes Wunder soll gewesen sein, dass er auf dieser Hochzeit für ausreichend Wein gesorgt hat. Es lag ihm offensichtlich daran, dass die Menschen fröhlich sein konnten.

Allerdings: Jesus hat sich den Armen zugewendet, den Kranken und den Traurigen. Das war und ist eine eher trostlose Sache. Warum sind Glück und Leid so ungleich verteilt in der Welt? Jesus wollte sich damit anscheinend nicht abfinden. Bei seiner Geburt war von der großen Freude die Rede. Die sollten auch die spüren, die nichts zu lachen hatten. Gott will, dass auch sie sich freuen können. Und lachen. Das hat Jesus ihnen gezeigt.

Andererseits: Jesus konnte längst nicht alle helfen zu seiner Zeit. Und bis heute gibt es Kranke und Arme und Traurige. Was Jesus damals getan hat, das waren Zeichen. Zeichen dafür, wie Gott die Welt haben will. Keiner soll hungern, niemand unter die Räder kommen, weil Menschen teilen, was da ist. Kranke sollen heil werden und leben können. Traurige sollen Trost finden.

Ich finde, das ist ein Auftrag für uns Christen bis heute. Wir sollen und können trösten und teilen, was wir haben – und andere mit Lachen anstecken. Und eines Tages wird für alle wahr werden, was Jesus mit seinen Zeichen angekündigt hat. Gott wird dafür sorgen. Dann wird alles elend vorbei sein - und wir werden lachen.

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