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SWR4 Abendgedanken

13AUG2020
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Manchmal braucht es ganz unangenehme Erlebnisse, damit wir aufmerksam werden. Zum Beispiel auf Menschen in der Krankenpflege. Sie sind mit dem, was sie tun, immer wichtig. Aber wir merken es kaum. Wir halten ihre Arbeit für selbstverständlich. Aber sie ist es nicht.

Sie ist besonders und sie ist unverzichtbar.

Die weltweite Krise hat uns mit der Pandemie einen Berufszweig ganz neu vor Augen geführt: die Krankenpflege. Plötzlich ist der Dienst wahrgenommen und geschätzt worden. Auf einmal haben Menschen auf Balkonen und Straßen und für sie geklatscht und gesungen.

Sie haben eine Wertschätzung erlebt, die sie so noch nicht erfahren hatten.

Am heutigen 13. August jährt sich der Todestag von Florence Nightingale zum 90. Mal.

Vor mehr als 150 Jahren hat sie erstmals Hygienestandards in der Krankenpflege eingeführt. Sie hat auch für ein allgemeines Gesundheitssystem gekämpft.

Als Kind ist sie in Großbritannien aufgewachsen.

Mit 17 hat Florence Nightingale ein religiöses Erweckungserlebnis gehabt. Sie schreibtin ihr Tagebuch, dass Gott zu ihr gesprochen und sie in seinen Dienst gerufen habe. Sie interessiert sich für Mathematik, liest philosophische Schriften und beschäftigt sich mit dem Gesundheitswesen. Mit Mitte 20 entschließt sie sich endgültig, ihr Leben der Krankenpflege zu widmen.

Sie macht in Kaiserswerth - heute ein Stadtteil von Düsseldorf - einen Schnellkurs in Krankenpflege.

1854 wird sie zum Einsatz in den Krimkrieg entsandt, in den Großbritannien verwickelt ist. Das war ein entscheidender Punkt in ihrem Leben, denn dort habe Florence haarsträubende Zustände gesehen. So hätten Chirurgen nach Operationen nicht ihre Kittel gewechselt. Nightingalehat die katastrophalen Umstände aber als Chance begriffen: Hier konnte sie die Prinzipien umsetzen, an die sie geglaubt hat: Sauberkeit und Hygiene in der Krankenpflege.

Florence hat nichts von Bakterien gewusst. Sie hat gesehen, was funktioniert. Später hat sie die erste Berufsschule für Krankenschwestern am St. Thomas Hospital in London eröffnet.

Sie hat die Grundlage dafür gelegt, wovon viele Menschen heute profitieren.

Dass Menschen gut ausgebildet sind. Und dass sie sich mit ihrem Wissen und ihrem Engagement für andere einsetzen, für die Schwächsten, die Kranken und Sterbenden.

Es ist zu hoffen, dass diese Begeisterung bleibt und sich auch zeigt, in der Wertschätzung, in der Achtung und Fürsorge.

Damit sie auch angemessen bezahlt werden und nicht unangemessen arbeiten müssen.

Das könnte das Gute in der großen Krise sein, dankbar zu sein für die Menschen, die für uns da sind.

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