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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18APR2020
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Wie feiert man in diesen Tagen Gottesdienst? Wo man doch nicht mehr in Kirchen zusammenkommen kann?

Wir haben es bei uns neulich mit einem Telefon-Gottesdienst probiert. Über 50 Leute haben eine Nummer gewählt und waren dann per Telefonkonferenz akustisch verbunden. Und tatsächlich muss man ja nicht unbedingt was sehen für einen Gottesdienst. Alles, was da geschieht, geht auch mal bloß übers Hören.

Das Hören hat allerdings auch manche Herausforderung mit sich gebracht. Immer wenn sich alle gegenseitig hören konnten, wurden auch Nebengeräusche laut. Irgendwo hat ein Hund gebellt, jemand hat direkt in den Hörer gehustet – und wieder jemand hat das dann spontan kommentiert. Und wenn alle gemeinsam etwas sprechen oder singen sollten, haben sich Echos und Zeitverzögerungen bemerkbar gemacht. Teilweise hat das dann sehr chaotisch geklungen.

„Na ja“, habe ich beim Hören spontan gedacht, „kein Problem. Das kann man ja technisch lösen. Das nächste Mal schalten wir einfach immer alle stumm. Dann kann einer in Ruhe reden oder etwas vorsprechen oder -singen – und mitsprechen oder -singen kann ja auch jeder nur für sich.“

Aber dann habe ich mitbekommen, was die Leute zurückgemeldet haben. „Gerade das Unvollkommene macht es realistischer und verbundener mit den Anderen“, hat jemand geschrieben. Und eine andere: „[D]as gemeinsame Beten fand ich, gerade weil es so ‚vielfältig‘ war, sehr sehr berührend!“

Gemeinschaft muss eben nicht perfekt sein. Das ist sie ja auch im normalen Gottesdienst nicht. Auch da wird doch nebenher geflüstert, ein Fahrradhelm fällt runter – oder jemand ist beim Singen eine halbe Zeile hinterher. So ist halt das Leben. Auch wenn man zum Beispiel mit der Familie zusammensitzt – was ja in diesen Tagen häufiger vorkommt als sonst. Auch da läuft nicht alles geräuschlos und vollkommen. Dann wäre es auch nicht menschlich.

Und ich glaube: Gott freut sich immer, wenn Menschen fröhlich verbunden sind miteinander. Egal, wie schräg es dann auch manchmal zugeht.

Mit unseren Telefon-Gottesdiensten haben wir dann weitergemacht. Auch morgen feiern wir wieder. Und wir wechseln jetzt bewusst ab: Manchmal soll es so sein, dass nur einer zu hören ist, für mehr Konzentration und Klarheit. Aber dann sollen sich auch wieder alle gegenseitig hören können. Und merken, dass sie in aller Menschlichkeit verbunden sind. Miteinander und mit Gott.

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