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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14APR2020
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Äußerlich ist das Leben immer noch zur Ruhe gekommen. Nach wie vor dürfen Menschen sich nicht treffen – und in meinem Kalender ist so ziemlich jeder früher mal geplante Termin gestrichen.

Aber hinter den Kulissen wird schon wieder kräftig geplant. Und immer wieder erreichen mich jetzt Nachrichten, welche Veranstaltung wann nachgeholt werden soll. Da die Mitgliederversammlung, da die Fortbildung, da das Sportevent.

Mal ganz unabhängig von der Frage, wie sicher solche Planungen jetzt schon sind: Müssen wir wirklich alles noch durchziehen, was in der Corona-Zeit ausgefallen ist? Ganz ehrlich: Dann habe ich wenig Lust auf die Monate danach. Die werden dann zum Höllenritt – und irgendwann geht es nur noch darum, Dinge als „erledigt“ abzuhaken. Denn der Herbst bringt ja wieder seine eigenen Termine mit sich, und die müssen dann auch noch Platz finden.

„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit.“ [Prediger 3,1; BasisBibel] Das hat ein weiser Mensch mal aufgeschrieben, mitten in der Bibel. Er hat sich vorgestellt, dass der Ablauf der Ereignisse von Gott so gedacht ist. Und dass man daran nichts ändern kann. Ich denke, das heißt auch: Manchmal ist die Zeit für eine Sache eben vorbei. Und dann ist es vernünftig, das zu akzeptieren. So schmerzhaft das auch im Einzelfall sein kann.

Sicher: Manche Dinge müssen und sollen natürlich nachgeholt werden. Zum Beispiel Hochzeiten. Oder wenn ich an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden denke – die haben schon nachgefragt, ob ihre Konfirmation denn noch stattfinden kann. Aber schon die Terminverlegung bedeutet ja, dass wir dieses Fest anders feiern als sonst. Vielleicht gestalten wir es auch weniger aufwändig. Und ob auf dem Weg dahin die heiß ersehnte Übernachtung in der Kirche möglich ist, wissen wir noch nicht.

Die Corona-Krise ist ja keine Unterbrechung unseres Lebens – und irgendwann läuft dann alles wieder normal weiter. Die Krise ist ein Teil unseres Lebens. Zu diesem Leben gehört jetzt eben, dass wir auf vieles verzichten müssen. Und manches davon hatte seine Zeit … und kommt auch nicht mehr wieder.

Es geht ja immerhin allen so. Und niemand wird uns mal vorwurfsvoll fragen, warum wir im Frühjahr 2020 so wenig hinbekommen haben. Dann können wir da doch ganz gelassen bleiben.

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