Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

20DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

An Gott glauben, das ist für manche ganz normal. Für mich ist es so wichtig wie atmen und essen. Es gehört dazu, ich kann gar nicht anders. Andere sehen das anders. Sie glauben nicht an Gott und finden das ganz normal. Sie vermissen nichts. Und das sagen sie auch laut. Bin ich froh, in einem Land leben zu dürfen, in dem Glauben Privatsache ist! Niemand kann hier mit Gewalt gezwungen werden, einen anderen Glauben anzunehmen oder überhaupt glauben zu müssen. Das Grundgesetz ist da eindeutig und klar.

Der englische Schriftsteller Julian Barnes hat ein erstaunliches Wort zum Glauben geschrieben: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.“ Das ist ein starkes Wort. Und irgendwie schwierig. Wenn er nicht glaubt, kann er doch gar nichts vermissen. Oder was vermisst er? Vielleicht würde er gerne glauben, kann es aber nicht? Weil er eine leise Idee davon hat, dass Glauben hilfreich sein könnte?  Weil ein glaubender Mensch bei Gott ein Ohr für seine Klagen und Fragen findet? Vielleicht ist es doch nicht so egal, ob ein Mensch an Gott glaubt oder nicht? Ich weiß es nicht wirklich, kann nur das beschreiben, was ich höre, sehe, selbst erlebe. Und da sehe ich oft einen Unterschied zwischen Menschen, die an Gott glauben, und denen, die nicht glauben. Der Unterschied hat mit Hoffnung zu tun. Glauben bedeutet, zu hoffen, dass das Leben sich lohnt. Dass Gott dem Leben Sinn gibt. Ich höre oft den Satz: „Ohne meinen Glauben hätte ich diese Situation gar nicht bestehen können.“ Dann beschreiben sie mir, dass sie sich getragen fühlen.  Auch wenn es gerade mal nicht so gut läuft. Auch wenn die Nachrichten bedrückend sind. Durch den Glauben können irdische Dinge an Wichtigkeit verlieren. Dadurch wird manches leichter.  

Und noch etwas ist mir wichtig: Mit Gott kann ich auch streiten. Kann ihn verantwortlich machen. Er hält meine Fragen und meine Klagen aus. Und ich kann ihm auch sagen, dass ich manchmal an ihm zweifle. Mir gibt das enorme Kraft. Und deshalb möchte ich Gott in meinem Leben nicht vermissen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29954