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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

05OKT2019
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Ich habe bei einer Taufe einen Wunsch für einen Täufling gehört, der gefällt mir. „Wir wünschen, dass unsere Johanna ein schöner Mensch wird.“

Eine Patin hat das gesagt. Und man hat richtig gesehen. Den Wunsch haben alle gut gefunden. Eltern, Omas und Opas, Alte und Junge. Wir wollen, dass unser Kind ein schöner Mensch wird.
Mit „schön“ hat die Patin nicht äußerlich schön gemeint. Johanna soll also nicht unbedingt Model werden. Mit schön hat sie gemeint: Johanna soll ein eigenes Modell Mensch werden. Irgendwie im Sinn von Jesus. Für den war „schön“ dasselbe wie „gut“. Also: Johanna soll ein guter Mensch werden.

Diesen Wunsch kann jeder persönlich nehmen, egal wie alt man ist. Damit wird man ja nie ganz fertig.

Wie wird man ein guter Mensch, ein schöner Mensch? Für mich gehört dazu: Vertrauen, dass ich ein Kind Gottes bin und so leben.
Erleben und glauben, ich werde geliebt. Und selber lieben lernen. Ein guter und schöner Mensch wird man, wenn man spürt, ich bin nicht allein auf der Welt. Und so lebt, dass man nicht allein an sich selber denkt.

Und dass man weiß, Gott hat mich gewollt. Ich habe Talente, die gut sind für mich und andere. Als Modell Mensch im Sinn von Jesus gehört auch dazu, dass wir ein bisschen versuchen, die Welt zu retten. Ob bei der Feuerwehr oder als Erzieher in der Kita, als Ingenieurin oder als Klimaschützer.
Schön im Sinn Jesu ist man, wenn die anderen spüren, der und die ist nicht mit allen Wassern gewaschen, sondern mit dem klaren frischen Wasser der heiligen Taufe.

Wie kann man einem Kind helfen, ein schöner Mensch zu werden?
Vielleicht, indem man Professor Schölkopf was abguckt. Professor Schölkopf ist eine Koryphäe in Künstlicher Intelligenz. Er bringt einer neuen Generation von Robotern das Lernen bei. Und er hat dabei eine Erkenntnis gewonnen: „Sie werden nicht programmiert. Sondern durch Erfahrung trainiert.“ Roboter sind keine Maschinen, die er mit immer komplexerer Software von außen steuert. Er stellt den Robotern neue Aufgaben und sie trainieren sich Neues an durch Erfahrung. Wenn das bei Robotern so ist, dann erst recht bei uns Menschen. Ich glaube, das gilt erst recht für die Erziehung von Kindern. Wir helfen unseren Kindern nicht wenn wir ihr Hirn mit vielen Infos programmieren. Sondern wenn wir sie das Leben und die Welt erfahren lassen mit uns. Wenn wir darauf trauen, dass Gott ganz viele Möglichkeiten in sie gelegt hat, die sie entwickeln können. Und dabei schön werden.

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