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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20AUG2019
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Wer Gewaltausbrüche erleben muss, der kriegt Angst. Furchtbar wenn Menschen reale Gewalt erleben müssen: in der Familie womöglich, im Krieg, oder irgendein schweres Verbrechen. Und auch, wenn man nicht selber betroffen ist, wenn man nur von Gewaltausbrüchen hört oder liest oder sieht, kriegt man Angst.

 

In letzter Zeit hat man viel von Gewalt gehört und gesehen. In Stuttgart wurde ein Mann mit einem Schwert auf offener Straße getötet. Im Bahnhof in Frankfurt wurde ein Kind vor den ICE gestoßen und musste sterben. Vorher in Voerde eine Frau. Von S-Bahn- und U-Bahn-Schubsern hat man schon früher gehört. Die vielen Berichte lassen die Angst wachsen. Was, wenn mir das passiert? Oder meinem Kind?

Solche Ängste gab es schon zu biblischen Zeiten. Auch damals gab es Mord und Totschlag, Terror und Vergewaltigungen. Die Welt war noch nie ein Paradies. Leider. In einem biblischen Gebet sagt einer: „Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten“ (Ps 25,17)

Er betet nicht, dass es aufhört mit der Gewalt. Der Mensch, der da betet weiß es auch: Die Welt ist kein Paradies. Und vollkommene Sicherheit gibt es nicht. Deshalb spricht er es aus, dass er Angst hat. Und er bittet Gott um Hilfe: „Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten“ (Ps 25, 17).

Kann so ein Gebet helfen?

Ich glaube, ja. Dass er seine Angst ausspricht, das ist vielleicht schon der erste Schritt. Wenn man in Worte fasst, was einen umtreibt, dann klärt sich manches. Man sieht genauer, was eigentlich los ist. War es ein verbrecherischer Terroranschlag? Die Tat eines psychisch gestörten Menschen? Ein Amoklauf? Ein Mensch im Gefühlschaos, der nicht mehr weiter weiß? Waren es Verbrecher?

Das alles gibt es – leider. Zu biblischer Zeit genauso wie heute. Totale Sicherheit gibt es nicht. Der Unterschied: Heute können wir das alles hundertmal hören und sehen und haben es unaufhörlich vor Augen. Das macht die Angst größer, glaube ich.

Aber man kann auch beten: „Führe mich aus meinen Nöten“. Hilf mir, mit meiner Angst fertig zu werden, Gott. Dass ich mich nicht irre machen lasse. Dass ich mich nicht ängstlich verkrieche. Dass ich nicht mit dem Finger auf bestimmte Menschen zeige: Die waren es. Die sind schuld. Die müssen weg. Die Ursachen für Gewalt sind verschieden.

Gott hat versprochen, dass er uns den Geist der Besonnenheit schenken will. Die brauchen wir, um für ein gutes Leben einzutreten und das Richtige zu tun. Wer nicht von Angst beherrscht wird, der kann besonnen sein. Deshalb bete auch ich immer wieder: Führe mich aus der Angst. .

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