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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02JUL2019
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„Bleib wia da bisch, wenn’d bisch wia da bisch!“ Ich weiß nicht mehr, wo ich diese schwäbische Weisheit aufgegabelt habe, aber sie ist gut, sehr gut sogar. Und auch im außerschwäbischen Raum gültig: „Bleib wie du bist, wenn Du bist, wie Du bist“. Man kennt ja die Situationen bei denen der erste Teil dieses Wunsches ausgesprochen wird: bei Geburtstagen oder Jubiläen, wenn einem damit gesagt werden soll, dass man ein sympathischer, geschätzter oder beliebter Mensch ist, der so sympathisch, geschätzt oder beliebt bleiben soll. Manche derart Gelobten zucken aber ein wenig zusammen, weil sie sich dann an die Brecht’sche Geschichte von Herrn K. erinnert fühlen: Bei der ein Mann, den Herr K. lange nicht gesehen hatte, ihn mit den Worten begrüßte: „Sie haben sich ja gar nicht verändert.“ Und Herr K. mit einem „Oh“ antwortete - und erbleichte. Erbleichte weil für ihn, sich nicht zu verändern wohl geistige Erstarrung oder persönlicher Stillstand bedeutet hat, wo doch Leben Entwicklung ist. Aber nicht nur, ich denke es gehört beides dazu. Die Entwicklung, weil das Leben und wir alle uns dauernd verändern,  auch wenn wir es nicht spüren oder wahrhaben wollen. Aber es gehört eben auch zum Leben, sich nicht zu verändern, gleich zu bleiben und zwar da wo es darauf ankommt: im Wesentlichen, im Kern, im Zentrum der Persönlichkeit. Genau da so zu bleiben, wie man eben ist. Aber dieses „so wie man ist“, ist auch ein lebenslanger Prozess. Auch wenn sich das jetzt widersprüchlich anhört. Es gilt sich selbst treu zu bleiben inmitten aller Veränderungen und Herausforderungen. Und zwar in einem unaufhörlichen Prozess von Spüren, Ausprobieren, Bewahren und mitunter auch sich Wehren und Stark sein. Im besten Fall ist dann Innen und Außen deckungsgleich, also dass die Anderen mich so wahrnehmen, wie ich mich selbst. Mein Glaube kann da eine wunderbare Hilfe sein. Er ermutigt die Menschen so zu sein wie sie sind. Weil Gott sie so gewollt hat, als einzigartige Geschöpfe mit einer unantastbaren Würde. Genau deshalb hat Jesus die Menschen, die er geheilt hat, oft mit diesen Worten in ihr neues Leben geschickt: „…und jetzt geh nach Hause!“ Im griechischen Urtext der Bibel heißt das: „Eis ta idia“ und das bedeutet: Geh in das dir Eigene! Also bleib wie du bist, kehre dorthin zurück oder werde so wie Du wirklich bist…

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