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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich fahre gerne Auto und wenn’s geht, manchmal auch schnell. Bis vor kurzem hatte ich keinen Bordcomputer, auf dem ich sehen konnte, wieviel mehr Sprit ich verbrauche, wenn ich schnell fahre. Jetzt ist das anders. Ich sehe ganz genau, wieviel weniger Benzin ich brauche, wenn ich statt 130 auf der Autobahn nur 100 Kilometer in der Stunde fahre. Als die Spritpreise an den Tankstellen in die Höhe geklettert sind, war das natürlich auch ein Grund, sparsamer zu fahren. Und dann habe ich in einer Zeitschrift[1] gelesen, wieviel CO² ich vermeide. Wenn ich auf der Autobahn 100 fahre statt 130, dann spare ich schon auf 100 Kilometern 2 Liter Benzin und vermeide 5 Kilogramm CO². Das ist relativ viel. Aber halt theoretisch. Wenn mir ein Autofahrer auf der Autobahn dicht im Nacken sitzt und sich offensichtlich ärgert, weil ich nur 100 fahre, lasse ich mich schnell stören und trete aufs Gaspedal. Auch wenn ich mich beeilen muss. Außerdem, wenn ich dann erlebe, wie viele Leute darüber scheinbar nicht nachdenken und mit Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn brettern, erscheinen mir meine ganzen Rechenspiele mit dem Sprit fast lächerlich und sinnlos. Sind sie nicht, lese ich in der Zeitschrift. Ich kann mehr verändern als ich denke.

Einige von ihnen, die jetzt zuhören, werden sich über meine Rechenbeispiele ärgern, weil sie bewusst schon seit Jahren gar kein Auto besitzen. Andere werden abwinken, weil sie nicht daran glauben, dass sich irgendetwas ändert, wenn einzelne sich bemühen. Aber wie wir es auch drehen oder wenden. Es ist so: Jeder, der auf diesem Planeten lebt, ist auch verantwortlich für ihn. Jeder übernimmt seine Verantwortung für die Welt anders. Manche haben sich entschieden. Und fliegen nie mehr mit dem Flugzeug. Oder verzichten ganz auf Fleisch. Manche duschen bewusst nur ganz kurz und legen sich nie in die Badewanne. Andere achten darauf, nur fair gehandelte Kleidung einzukaufen. Mich beschäftigt im Augenblick, wie ich Auto fahre. Ein Beitrag dafür, dass alle Generationen nach mir auf dieser Welt leben können. Ein bescheidener, aber immerhin. Mein Fahrverhalten hat sich nachhaltig verändert. Denn ich liebe diese Welt. Ganz besonders spüre ich das in diesen Vorfrühlingstagen, wenn jede Blüte und jeder grüne Trieb ein kleines Wunder ist. Ich glaube als Christin, dass im Kosmos Gottes Kraft wirkt. Dass wir Menschen die Macht haben, die Erde zu zerstören, finde ich dramatisch. Ich will das nicht.

Und Gott sei Dank viele andere auch nicht.

 



[1] Greenpeace Magazin. 6/18. November-Dezember: Bloß nicht hinwerfen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28181