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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Lassen wir es gut sein!“ welch ein wichtiger Satz. Gesprochen bei einem Streit, wenn die Argumente hin und her geflogen sind, die Gefühle hochgekocht und keine Einigung in Sicht, dann kann so ein Satz das Beste sein: „Lassen wir es gut sein“. Auszeit, Waffenstillstand, Erschöpfungspause, in der sich dann vielleicht irgendwann eine Lösung ergeben kann oder eine Lockerung der verhärteten Fronten.               

„Lassen wir es gut sein.“ Ein wichtiger, heilsamer Satz, auch bei der Arbeit. Wenn ein Projekt am Jahresende unbedingt fertig gemacht, noch diese eine E-mail geschrieben werden muss, während schon wieder fünf neue reinkommen. „Lassen wir es gut sein“. Machen wir wenigstens eine Pause, bestenfalls Feierabend, denn wenn ich mich nicht erhole, fehlt mir diese Kraft am nächsten Tag oder überhaupt.                                                

„Lassen wir es gut sein“. Wenn wir ein Weihnachtsfest vorbereiten wollen, bei dem alles stimmen soll: Das gute Essen, die passenden Geschenke, die schöne, heimelige Atmosphäre, - mit all der Mühe, der Liebe, aber auch dem Stress der dazugehört, in diesem Advent, der nur drei Wochen dauert. „Lassen wir es gut sein“. Ein so wichtiger Satz, auch in einer Welt, die immer öfter zu keinem Ende mehr findet. Immer und überall ist alles zu haben. Immer und überall ist alles zu machen. Mit dem Internet dessen Läden nie schließen, schließen auch unsere inneren Läden immer schwerer. Und mit den in die Smartphones und Laptops verlagerten Büros haben wir auch immer später Feierabend oder fast gar keinen mehr. Aber wenn wir es verlernen, etwas gut sein zu lassen, wenn wir immer weniger spüren, wann es gut ist mit Streiten, mit Arbeiten oder Weihnachtsvorbereitungen, dann wird nichts gut. Der Streit nicht, weil wir uns endlos zerfleischen und immer weiter voneinander entfernen. Die Arbeit nicht, weil wir erschöpft nicht produktiv sein können und schon gar kreativ. Und das Weihnachtsfest wird nicht gut, wenn der Baum zwar schön, das Essen lecker, aber die Menschen, die das alles so geschaffen haben, kraftlos, genervt oder kaputt sind. Darum lassen wir es immer wieder auch gut sein, damit das, wofür wir uns verkämpfen, was wir doch so gut und so schön machen wollen, auch wirklich gut wird. Und es uns dadurch auch gut geht. Dann, ja dann kann wirklich Weihnachten werden.

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