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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Vom Himmel hoch, da komm ich her“, ein fast 400 Jahre altes Weihnachtslied und heute kommt, wenn alles gut geht, Alexander Gerst aus 400 Kilometern Höhe wieder zurück auf die Erde. Zurück nach Hause, von der ISS, der Internationalen Raumstation. „Vom Himmel hoch, da komm ich her und bring euch gute neue Mähr‘.“ Und wie alle Astronauten, wird auch Alexander Gerst wieder Botschaften vom Himmel im Gepäck haben. Aber keine weihnachtlichen Botschaften. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Der Blick von oben und die lange Zeit ohne den Heimatplaneten, ohne die Menschen die sie lieben, macht was mit den Raumfahrern. Für bisher alle Menschen, die der Erde so fern und dem Himmel so nah waren, haben sich zum Beispiel politische Grenzen aufgelöst.  Als sie von oben die eine Erde gesehen haben mit Bergen, Ebenen, Flüssen und Meeren, die nahtlos ineinander übergehen und niemandem gehören. Wie alle Raumfahrer sehen sie von oben die Erde in ihrer Kugelform und dadurch so deutlich wie alles mit allem zusammenhängt. Sie sehen die Verletzungen, die Gefahren und die Zerstörungen dieser Erde. Durch die Abholzungen von Wäldern und die Überhitzung der Atmosphäre. Und wie alle Raumfahrer sehen sie die Kriege der Menschen, in Blitzen die nicht aus Gewittern zucken, sondern aus todbringenden Waffen. Das hat Alexander Gerst bei seiner ersten ISS Mission auf Gedanken wie diesen gebracht: „Würden Außerirdische die Erde beobachten, wäre dies wohl ihr erster Eindruck von uns, dass wir, die dominanten Bewohner dieses Planeten, nicht nur die eigenen Lebensgrundlagen ausbeuten, sondern uns auch noch ständig gegenseitig umbringen. Wie sollte man das einem Fremden erklären? Würden sie uns als intelligentes Leben oder gar als friedfertige Spezies ansehen? Ist das wirklich das Bild, dass wir im Kosmos vermitteln wollen?“ fragt Alexander Gerst, unser Astro Alex, der heute wieder nach Hause kommt auf unseren Heimatplaneten. Es ist so gut, dass er nicht nur gelungene technische Experimente und neue wissenschaftliche Erkenntnisse mitbringt, sondern auch solche Fragen und Anfragen zum Zustand unserer Welt. Die so sehr der Liebe und des Friedens bedarf. Und so wird seine Rückkehr 4 Tage vor Heilig Abend vielleicht doch auch eine weihnachtliche. Möge er also gut nach Hause kommen, vom Himmel hoch, zurück auf unseren schönen blauen Planeten. Und uns noch viel aus seiner Sicht von oben erzählen.

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