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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Endspurt, letzte Woche vor Weihnachten. In diesem Advent, der nur drei Wochen dauert. Für nicht wenige Menschen eine der stressigsten, wenn nicht die stressigste Zeit des Jahres. Mir ging es lange auch so, mit all den Dingen, die in der Arbeit fertig gemacht werden mussten, mit den Weihnachtsgeschenken und dann auch noch mit dieser Dunkelheit im Dezember. Der Dezember kam mir vor wie ein Tunnel der immer enger wurde und am Ende eben kein Licht war, sondern maximal Erschöpfung und schlimmstenfalls Leere. Irgendwann wollte ich das nicht mehr und hab die Bremse gezogen. Mit dem 1. Advent habe ich begonnen, mich zu entlasten und zu entschleunigen. Das hieß nicht, dass ich weniger gemacht habe als normal. Ich hab nur nichts mehr Zusätzliches gemacht und das, was ich gemacht habe, langsamer. Das hat funktioniert, das funktioniert sogar schon seit ein paar Jahren und tut mir selbst wie auch meiner Umwelt sehr gut. Das Nichtmehrsoviel, das Nichtmehrzuviel und das Alleslangsamer steckt an. Der hat leicht reden, könnte man sagen. Ich hab‘ den Druck des Chefs im Genick oder an mir hängt der Betrieb oder wir sind dermaßen unterbesetzt in der Klinik, in der Altenpflege, da kann ich nicht weniger oder langsam machen. Ja, das ist sicher wahr und sehr belastend. In dieser kurzen Vorweihnachtszeit, in der auch noch Geschenke besorgt werden sollen, erst recht. Aber es geht doch nur, was geht! Und oft hilft schon die innere Einstellung, der Gedanke daran, die Bremse zu ziehen, der Wille, den Hebel umzulegen. Von der Schnelligkeit auf ein ruhiges, wohliges Schritt für Schritt, vom Getriebensein auf eine heilsame Langsamkeit, die mich bei mir bleiben lässt. Und damit auch bei dem, was ich tue. Und bestenfalls auch bei dem Menschen, mit dem ich gerade zu tun habe.

Wie in einem Zug der in den Bahnhof einfährt, und in dem die vorher vorbeirauschende Landschaft auf einmal sichtbar wird. Und die, wenn er dann stillsteht, klar und greifbar wird. Advent und Weihnachten sind für mich nur noch so lebbar. Denn wie soll ich mich mit Vollgas einer Wirklichkeit öffnen können, die zeitlos ist? Wie mich auf die Ankunft des Göttlichen in der Welt vorbereiten, wenn ich nicht bei mir selbst angekommen bin?

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