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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Meeehr!“ Fast jedes Mittagessen schallt das bei uns über den Esstisch. Egal, ob Nudeln, Pizza oder Pudding – unsere Kinder wollen ihre Teller randvoll haben. Da können wir Eltern noch so oft erklären, dass es später doch auch noch was gibt. Diese Botschaft kommt irgendwie nicht an. Es muss alles jetzt schon drauf.

„Na ja“, denke ich im ersten Moment, „das sind halt kleine Kinder. Die können das noch nicht richtig begreifen.“

Aber dann denke ich: Vertrauen in die Zukunft – das ist doch auch für Erwachsene gar nicht so leicht. Wahrscheinlich war es das noch nie. In der Bibel wird erzählt, wie die Israeliten durch die Wüste ziehen. Und ausgerechnet an diesem unwirtlichen Ort werden sie von Gott versorgt. Jeden Morgen finden sie rund um ihr Lager weißes „Manna“ – eine Art Brot vom Himmel. Das reicht ihnen zum Leben. Und weil das „Manna“ jeden Morgen neu kommt, sollen sie nichts davon für den nächsten Tag aufheben. Aber auch damals: Diese Botschaft kommt irgendwie nicht an. Natürlich behalten manche dann doch was von dem Manna. Typisch menschlich. Wer weiß denn schon sicher, ob morgen wirklich wieder was vom Himmel fällt? Aber die gebunkerten Vorräte sind dann prompt voller Würmer und stinken. Gott hat Humor …

Ein bisschen ist das auch meine Geschichte. Auch ich hätte gerne jetzt schon alles für die Zukunft vorbereitet. Zum Beispiel, wenn ich irgendetwas plane. Da fällt es mir schwer, Dinge erst mal offen zu lassen und später zu regeln. Aber manches muss man eben einfach abwarten. Und es wird sich schon ergeben zu seiner Zeit.

Die Geschichte aus der Bibel ermahnt mich da. „Vertrau’ doch in die Zukunft“, höre ich da. „Vertrau’ drauf, dass Gott auch morgen noch für dich sorgt. Du musst nicht alles jetzt schon im Griff haben.

Vom Vertrauen auf Gott hat dann viele hundert Jahre später auch Jesus weitererzählt. Und er hat seinen Freunden ein Gebet empfohlen, das Vaterunser. Eine Zeile darin lautet: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Ich verstehe das so: Gott gibt mir jeden einzelnen Tag genug. Heute bekomme ich das tägliche Brot, die tägliche Kraft, die tägliche Hoffnung. Morgen ist dann ein neuer Tag. Und da kann ich das Vaterunser ja wieder beten, wenn ich möchte. Gott wird dann neu für mich sorgen.

Daran will ich denken. Nicht nur beim Mittagessen mit unseren Kindern.

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