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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Meine Frau arbeitet zur Zeit nicht. Die bleibt mit den Kindern zu Hause.“ Ab und zu rutscht mir das raus. Und im gleichen Moment ärgere ich mich darüber. Weil das so missverständlich klingt. Als ob es keine Arbeit wäre, zu Hause für die Familie da zu sein. Das merke ich immer dann, wenn ich mal länger am Stück für die Kinder zuständig bin. Am Abend bin ich dann meistens geschaffter als nach einem normalen Arbeitstag. Weil Kinder sich nicht nach Plan verhalten und kaum Pausen kennen. Vom Haushalt mal ganz zu schweigen. Gute Frage, wie man den „nebenher“ auch noch hinbekommt …

Woher kommt das dann eigentlich, dass nur die berufliche Arbeit so richtig als Arbeit gilt? Und die Arbeit zu Hause ungerechterweise unter den Tisch fällt?

Vermutlich liegt es daran, dass diese Arbeit im Verborgenen geschieht. Die meisten Menschen bekommen sie ja gar nicht mit. Vieles ist auch irgendwie ergebnislos. Was heute aufgeräumt ist, liegt morgen wieder durcheinander auf dem Boden, und frische Windeln – Sie wissen schon … Was Kindererziehung genau bewirkt, lässt sich auch nicht so genau sagen, selbst im Rückblick noch nicht. Und, vielleicht das Entscheidende: Die Arbeit zu Hause mit den Kindern taucht auf keinem Gehaltszettel auf. Obwohl man natürlich genau ausrechnen könnte, was Profis dafür bekommen würden. Und obwohl ich ja erst durch die Arbeit meiner Frau einem Beruf nachgehen kann und damit unser Geld verdiene.

… das alles gilt natürlich auch für viele andere Alltags-Arbeiten: Wer einen Angehörigen pflegt oder einem Nachbarn regelmäßig hilft oder einen alten Bekannten wöchentlich besucht, tut das ebenfalls im Verborgenen. Und bekommt von anderen womöglich auch vermittelt, das sei keine richtige Arbeit. Natürlich sind auch Männer davon betroffen, aber meistens immer noch Frauen. Das finde ich ungerecht.

Martin Luther hat dagegen mal gesagt: Eigentlich hat fast jeder Mensch einen Beruf. Denn jeder Mensch ist zu etwas berufen. Jede und jeder hat eine Aufgabe bekommen, für die er persönlich Verantwortung trägt und die zu ihm passt. Das kann eine klassische bezahlte Arbeit sein. Das kann aber auch die Arbeit mit Familie und Haushalt sein. „[W]enn du deine tägliche Hausarbeit tust“, schreibt Martin Luther mal sehr deutlich, „so ist das besser als die Heiligkeit und das strenge Leben sämtlicher Mönche“. [Der große Katechismus, Abschnitt zum Vierten Gebot] Für Luther war klar: Gott hat andere Maßstäbe als wir Menschen.

Hoffentlich denke ich das nächste Mal daran, wenn jemand fragt, was meine Frau denn so macht. Dann kann ich ja sagen: „Meine Frau arbeitet zu Hause.“

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