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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wer einmal angefangen hat zu walken oder zu joggen, der kann bald nicht mehr davon lassen. Eine ¾ Stunde oder ein halbe an der frischen Luft – und schon sieht das Leben ganz anders aus. Sogar bei schlechtem Wetter. Der Kreislauf kommt in Schwung. Neue Energie fließt in Körper und Seele, die man noch Stunden danach spüren kann. Die Gedanken klären sich. Und manchmal hilft das Laufen auch dabei, gerade nicht! an die eigenen Sorgen zu denken. Nur laufen, nur atmen, nur auf dem Weg bleiben. Schritt für Schritt.

Eine Frau, die mehrmals in der Woche zum Walken geht, sagte mir: „Wenn ich laufe, dann bilden sich in mir immer die Worte: Es geht. Schritt für Schritt. Es geht.
Was ich da beim Laufen erlebe, dieses Vorankommen und Weitergehen, das ist dann wie ein Sinnbild für vieles in meinem Alltag. Auch für das, was mir schwer fällt,-
es wird gehen.

Und ein Sportler erzählte mir: „Manchmal komme ich abends aus dem Geschäft und meine, ich könnte platzen. Und wenn ich dann laufe, dann spüre ich, wie meine Probleme im wahrsten Sinne des Wortes ver-gehen. Und irgendwann geht es mir dann gar nicht mehr um die sportliche Leistung. Dann genieße ich den Wald und bin dem Herrgott dankbar, dass ich diese Ruhe genießen darf. Und wenn ich dann heimkomme, bin ich wieder ein zufriedener Mensch.

Laufen tut ganz einfach gut. Und was für den Körper gilt, gilt anscheinend auch für die Seele. Beide brauchen Bewegung. Ich muss mich also bewegen, damit sich in mir etwas bewegen kann.

Da passt es gut, dass im Advent so viel von Bewegung die Rede ist.
Dass Gott sich auf uns zu bewegt. Und dass ich mich schon auch selbst bewegen muss, um etwas davon mitzubekommen.
Da wundert es mich eigentlich gar nicht, dass gerade in der Weihnachtsgeschichte so viele Menschen in Bewegung sind. Maria geht den weiten Weg zu ihrer Cousine Elisabeth. Erst dort versteht sie, was mit ihrer Schwangerschaft auf sie zukommt. Mit Josef muss sie dann auf den Weg nach Bethlehem. Die Hirten „kamen eilend“, um das neugeborene Jesuskind zu sehen. Und von weit her sind den drei Weisen der Frage nach-gegangen, wer denn dieser neugeborene König sei.
Hätten sie alle sich nicht bewegt, sie hätten nichts erfahren. Nichts von den Visionen für eine neue Welt wie Maria. Und nichts von der großen Wertschätzung Gottes für die kleinen Leute, wie die Hirten.
Manchmal muss man sich einfach in Bewegung setzen, und vielleicht kann man dann eine bewegende Erfahrung mit Gott machen.
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