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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ab und zu hat Jesus sich etwas Gutes gegönnt. Flapsig könnte man sagen. Er hat sich um seine „work-life-balance“ gekümmert.
Wenn Jesus gespürt hat, ich kann den Menschen nicht mehr genug geben, dann hat er sich von seinen Jüngern auf die andere Seeseite rüberfahren lassen. Da war es still. Die Gegend ganz dünn besiedelt. Da waren nicht gleich wieder Leute, die was von Jesus wollten. Da war Luft und Ruhe, Zeit zu sich kommen. Die stille intensive Verbindung zu Gott hat er dann gesucht. Wieder Kraft bekommen. Jesus konnte auch nicht immer nur geben. Er war sich klar, gerade er kann nur dann geben, wenn er Gott ganz in sich hat.

Die meisten, die wie ich ins Fitnessstudio gehen, suchen dort auch etwas für sich, damit sie wieder ins Lot kommen. Manchmal gucke ich mich da um und frage mich, warum machen wir das? Manche trainieren für die Gesundheit. Arbeiten an ihrer Haltung. Lassen sich beraten, wie sie gesünder leben können durch Bewegung und bessere Ernährung.

Andere arbeiten an ihrer Kraft, an ihrem Aussehen und ich vermute, wenn sie Fortschritte machen, dann gibt ihnen das etwas fürs Selbstbewusstsein. Vielleicht mögen sie sich dann lieber und fühlen sich mehr zu Hause in ihrem Körper.

Manche schinden sich richtig an Geräten und hinterher sieht man ihnen an, sie sind stolz, wie sehr sie sich ausgepowern können und sich intensiv spüren dabei. Ich vermute, das kann einem das Gefühl geben: Ich lebe. Ich schwitze, also bin ich.

Eigentlich könnte jeder und jede von uns hinterher aus dem Studio raus gehen und Gott dankbar sein dafür, was alles zusammenspielt in uns, damit wir so lebendig sein können. Ein Geschöpf Gottes mit Körper, Geist und Seele.

Manchmal frage ich mich aber nicht nur ‘warum’, sondern ‘wozu’ machen wir das?  Nur für uns? Sind wir alle narzisstisch? Meine Gesundheit, mein Körper-Ich, meine Lebendigkeit?

Wenn Jesus von seiner work-life-Justierung mit Gott, von der stillen Seite des Sees, wieder weg ist. Dann ist er mit dieser neuen Kraft wieder hin zu Menschen, die ihn gebraucht haben. Sie sollten sie spüren, die Kraft Gottes aus ihm: Geheilt werden. Eine Perspektive für das Leben bekommen. Nicht mehr verkrümmt durchs Leben müssen. Frauen sollten durch ihn spüren, dass sie volle, ganze Menschen sind. Geliebte Gottes.

Wahrscheinlich würde es unsere workout-Arbeit im Fitnessstudio auch noch erfüllter machen. Wenn wir damit für uns was Gutes wollen und auch, um es weiterzugeben: Für andere.

 

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