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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Hat es geholfen, dass ich gebetet habe? Kurz vor Ostern ist ein sehr lieber Freund gestorben. Er war länger im Krankenhaus. Auf Leben und Tod. Ich habe sehr viel an ihn gedacht und gebetet. Heute frage ich mich im Rückblick. Hat es geholfen? Hat es was gebracht, dass ich gebetet habe?

Mein Beten hat sich in den langen Wochen verändert. Wenn sich sein Zustand verändert hat. Ganz am Anfang war die Diagnose sehr schlecht. Da habe ich gedacht, eigentlich kann ich für ihn nur hoffen, dass er in Frieden gehen kann. Aber dann ist eine Operation gelungen – wie durch ein Wunder. Neue Hoffnung. Ich habe intensiv mitgehofft, dass er wieder leben kann.

Dann hat es wieder eine Wendung gegeben. Zum Schlechten. Oder war es für ihn am Ende vielleicht auch gut? Jedenfalls hat sich mein Beten wieder geändert: Dass er ruhig sterben kann und bei Gott seinen Frieden findet. Und dass wir uns vielleicht einmal wiedersehen.
Hat es geholfen, all das Beten? Gesund geworden ist er nicht mehr.

Ich glaube aber, mir hat das Beten geholfen. Mir hat es geholfen, ganz intensiv an ihn zu denken. Und ich glaube, es ist zum an-ihn-denken ist noch etwas dazugekommen. Als Freund und Angehöriger liegt es ja nahe: zuallermeist wünsche ich mir, dass ich den lieben Menschen nicht hergeben muss. Durchs Beten haben sich meine Sorgen, meine Wünsche und meine Hoffnung erweitert. Da ist es vor allem um ihn gegangen. Was das Beste für ihn sein könnte. Und dass wir damit zurechtkommen.

Wenn ich bete, muss ich mir auch klarer werden, was ich eigentlich hoffen kann. Und ich habe auch gespürt, so ganz sicher weiß ich nicht, was das Beste ist. Aber im Gebet habe ich das ausdrücken können und aushalten: ‘Guter Gott, mach, was das Beste ist.’ Beten macht demütig.

Ich habe auch sagen können, dass er und seine Liebsten hoffentlich aushalten können, was auch immer ihnen geschieht. Dass sie auch das aushalten können, was man kaum ertragen kann.

Im Nachhinein denke ich: Vielleicht kann man in so einer Zeit gar nicht anders als beten. Auch wenn man es nicht in Worte fasst. Oder aum welche findet. Aber es betet in einem. Manchmal ruft und wünscht es ganz laut und es hofft.

Und ich habe erlebt, bei mir selbst und auch bei den anderen, die meinem Freund sehr nah waren: es hat gut getan, wenn man in Worte bringt, was da geschieht mit und in einem. Das verbindet uns mit ihm und untereinander – auch jetzt noch

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