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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

An der Weihnachtskrippe sind alle willkommen. Auch wenn manche das gern anders hätten. Ich habe einen Witz gehört, der das sehr schön klar macht. Es geht um ein Verkaufsgespräch bei einer Krippen-Ausstellung. Der Kunde fragt: „Gibt’s die Krippe hier auch ohne Juden, Schwarze und Araber?“ „Klar“, antwortet die Verkäuferin, „dann nur mit Ochsen, Eseln und Schafen.“

An der Krippe haben alle Platz. Nicht nur die, die ich im trauten Heim gerne an meiner Seite habe. Auch die, die manche nicht als Nachbarn möchten, sind da.

Wenn ich eine Weihnachtskrippe anschaue, dann sehe ich sie alle versammelt: da steht der Weise aus dem Morgenland, der es sich leisten kann, einem fremden Kind Gold zu schenken. Und nebendran kniet der Hirte, der seinen eigenen Kindern kaum ein Geschenk machen kann. Zumindest keines, für das er Geld ausgeben muss. Und im Mittelpunkt Maria und ihr Kind, die nicht von hier sind und dringend ein Dach über dem Kopf brauchen. Ich staune schon, wenn ich sehe, wer alles vor 2000 Jahren einen Platz an der Krippe gefunden hat.

Und heute? Mich fasziniert die Krippe, die in Heidelberg in der Jesuitenkirche aufgebaut ist. Sie wächst jedes Jahr. Es kommen immer mehr Figuren aus unserer Zeit dazu. Dass da inzwischen Papst Franziskus und Nelson Mandela bei Klein-Jesus stehen, nun, das konnte man wohl erwarten. Mit der Frau, die offenbar todkrank ist, habe ich nicht gerechnet – aber wo passt sie besser hin als zum Kind in der Krippe? Dass sich allerdings auch eine Prostituierte auf den Weg zur Krippe gemacht hat, das löst bei manchen Kirchenbesuchern Kopfschütteln aus. Ganz zu schweigen von einer Szene nah beim neugeborenen Heiland: da werden Flüchtlinge gezeigt, die gerade vergeblich versuchen, mit dem Boot das Mittelmeer zu überqueren.

Christus ist für sie alle da. Das Licht, das er in die Welt bringt, das leuchtet nicht nur für mich und meine Lieben. Das leuchtet für alle. Auch für die, bei denen es an Weihnachten nicht idyllisch zugeht. Und für die, die mir fremd sind.

Wo Gott zur Welt kommt, da rückt man zusammen. Ich sehe die fremden Gesichter rechts und links und staune, wer noch alles willkommen ist. Das Licht von Weihnachten leuchtet für alle. Und darum auch für mich. Ich finde, das ist ein guter Grund, um dann auch nach Weihnachten aufeinander zuzugehen.

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